Cookie-Einstellungen
Hier kannst Du selbst entscheiden, welche Cookies Du zulassen möchtest. Technisch notwendige Cookies bleiben aktiv, damit der Shop einwandfrei funktioniert. Alles andere liegt bei Dir.
Atmungsaktivität bei Outdoor-Bekleidung – MVTR, RET und was wirklich zählt
Bei funktioneller Sport- und Outdoorbekleidung ist ständig von Atmungsaktivität die Rede – doch was heißt das eigentlich konkret, welche Werte sind gut und welcher Wert passt zu welcher Aktivität? Wir erklären Dir die wichtigsten Kennzahlen MVTR und RET, den Unterschied zwischen Membran und Beschichtung und welcher Atmungsaktivitätswert für Dein Einsatzgebiet ausreicht. Besonders bei funktioneller Bekleidung in Übergrößen und großen Größen spielt Atmungsaktivität eine große Rolle, weil eine größere Körperfläche auch mehr Feuchtigkeit produziert.
Was bedeutet atmungsaktiv?
Atmungsaktivität bedeutet laut Definition nichts anderes als „wasserdampfdurchlässig". Bei Funktionstextilien wie Jacken, Hosen oder Regenbekleidung beschreibt sie, wie gut Feuchtigkeit – also warme, feuchte Luft aus Körperwärme und Schweiß – nach außen transportiert werden kann. Je höher die Atmungsaktivität, desto trockener bleibst Du bei Bewegung.
Der Körper produziert selbst bei mäßiger Aktivität 0,2 bis 0,7 Liter Schweiß pro Tag. Beim Sport oder unter starker Hitze können es bis zu 1,5 Liter pro Stunde werden. Diese Feuchtigkeit muss irgendwo hin – ist Deine Jacke nicht atmungsaktiv, sammelt sie sich als feuchter Film auf der Haut und Du frierst oder überhitzt. Atmungsaktive Bekleidung sorgt dafür, dass dieser Feuchtigkeitstransport funktioniert, auch wenn Du Dich anstrengst.
Wichtig zu wissen: Eine Jacke, in der Du überhaupt nicht mehr schwitzt, gibt es aus biologischen Gründen nicht. Atmungsaktivität verbessert den Feuchtigkeitstransport, sie verhindert das Schwitzen nicht.
MVTR-Wert – Atmungsaktivität in Zahlen
Der MVTR-Wert (Moisture Vapor Transmission Rate) gibt an, wie viel Wasserdampf durch einen Quadratmeter Material in 24 Stunden nach außen transportiert wird. Die Maßeinheit ist g/m²/24h, oft auch als MVP abgekürzt. Je höher der Wert, desto besser die Atmungsaktivität. Ein Wert von 3.000 g/m²/24h bedeutet also, dass drei Liter Wasserdampf pro Quadratmeter Material innerhalb eines Tages nach außen abgegeben werden können.
MVTR-Tabelle: Welcher Wert reicht wofür?
| MVTR-Wert | Einordnung | Typische Nutzung |
|---|---|---|
| unter 3.000 g/m²/24h | gering | Günstige Discounterware, Alltagsjacken ohne Funktionsanspruch |
| 3.000 – 5.000 g/m²/24h | ausreichend | Leichte Wanderungen, Spaziergänge, Alltag bei Bewegung |
| 5.000 – 10.000 g/m²/24h | gut | Regelmäßige Wanderungen, Radfahren, Outdoor-Aktivitäten mit mittlerer Intensität |
| 10.000 – 20.000 g/m²/24h | sehr gut | Anspruchsvolle Touren, Skitouren, längere Wanderungen mit Gepäck |
| über 20.000 g/m²/24h | Premium | Bergsport, Expeditionen, High-End-Modelle |
In der Praxis reichen 5.000 bis 10.000 g/m²/24h für die allermeisten Anwendungen völlig aus. Werte über 20.000 g/m²/24h klingen beeindruckend, sind aber im Alltag kaum spürbar und werden eher als Marketing-Argument eingesetzt.
RET-Wert – der Gegenspieler zu MVTR
Der RET-Wert (Resistance of Evaporation of a Textile) misst das Gegenteil von MVTR: Er gibt den Widerstand an, den ein Material dem Wasserdampf entgegensetzt. Je niedriger der RET-Wert, desto besser die Atmungsaktivität – also genau umgekehrt zum MVTR.
RET-Wert Tabelle
| RET-Wert | Einordnung | Bedeutung |
|---|---|---|
| RET unter 6 | sehr atmungsaktiv | Hochwertige Membranen, Premium-Outdoor-Jacken |
| RET 6 – 13 | gut atmungsaktiv | Solide Funktionsjacken mit Membran oder Beschichtung |
| RET 13 – 20 | ausreichend atmungsaktiv | Alltagsjacken mit Grundfunktion |
| RET über 20 | kaum atmungsaktiv | Rein wasserdichte Stoffe ohne Funktionsanspruch |
MVTR oder RET – welcher Wert ist aussagekräftiger?
Beide Werte messen dasselbe – nur aus unterschiedlicher Richtung. Der RET-Wert gilt in der Fachwelt als aussagekräftiger, weil er unter realeren Bedingungen gemessen wird (mit Luftstrom). Der MVTR-Wert ist deutlich weiter verbreitet und findet sich bei den meisten Herstellern auf dem Etikett. In der Praxis reicht es, wenn Du einen der beiden Werte kennst und einordnen kannst. In unseren Produktbeschreibungen geben wir beide Werte an, wenn der Hersteller sie bereitstellt.
Membranen, Laminate und Beschichtungen
Atmungsaktivität entsteht durch zwei grundlegende Techniken: Membranen und Beschichtungen. Beide haben den gleichen Zweck – Wasser draußen halten, Wasserdampf nach außen lassen – unterscheiden sich aber im Aufbau.
Die gängigen Membranen
Membranen sind dünne, dampfdurchlässige Gewebeschichten, die in die Jacke einlaminiert werden. Die bekanntesten Namen:
- Gore-Tex – die wohl bekannteste Membran, gilt als Referenz für Wasserdichte und hat über Jahrzehnte den Standard geprägt
- Sympatex – porenlose Membran, recycelbar, wird oft in europäischen Produkten eingesetzt
- Pertex Shield – leichte Membran für Ultraleicht-Anwendungen
- eVent – galt lange als besonders atmungsaktiv, heute seltener zu finden

Laminat-Aufbau: 2-Lagen, 2,5-Lagen, 3-Lagen
Die Membran wird mit einem Obermaterial kombiniert – die Art der Verbindung nennt man Laminat. Der Aufbau entscheidet, wie robust und rucksacktauglich die Jacke ist:
| Laminat | Aufbau | Geeignet für |
|---|---|---|
| Z-Liner / S-Liner | Membran liegt zwischen Ober- und Futterstoff, nicht verbunden | Alltag, viele Taschen – nicht extrem rucksacktauglich |
| 2-Lagen | Membran + Oberstoff laminiert, Futter separat | Allround-Jacken, Alltag bis leichte Touren |
| 2,5-Lagen | Membran + Oberstoff laminiert, innen Abstandshalter | Leichte Regenjacken zum Packen |
| 3-Lagen | Futter + Membran + Oberstoff alles verbunden | Bergtouren, schwerer Rucksack, Extrembedingungen |
Beschichtungen als Alternative zur Membran
Beschichtungen sind mikroporöse Polyurethan-Schichten, die von innen auf den Außenstoff aufgetragen werden. Die winzigen Poren lassen Dampf entweichen, halten aber Wasser draußen. Bekannte Beschichtungen sind Ceplex von Vaude, HyVent von The North Face oder Texapore von Jack Wolfskin.
Beschichtete Jacken sind meist günstiger als Membranjacken. Der Trade-off: Die Lebensdauer ist kürzer, weil sich die Beschichtung mit der Zeit abnutzt. Für den Alltag und gelegentliche Wanderungen reicht eine gute Beschichtung völlig aus – für Dauerbelastung ist eine Membran die robustere Wahl.
Atmungsaktivität und Wasserdichte – der Zielkonflikt
Wasserdicht und atmungsaktiv gleichzeitig zu sein ist eine technische Gratwanderung. Als Faustregel gilt: Je wasserdichter ein Material, desto schwieriger wird der Dampftransport. Gute Funktionsjacken schaffen einen praxistauglichen Kompromiss.
Wasserdichtigkeit wird in der Wassersäule gemessen (mm). Die ISO-Norm legt die Grenze bei 1.300 mm fest – darüber gilt ein Textil als wasserdicht. Für Outdoor-Einsatz sollte die Wassersäule aber mindestens 3.000 mm betragen, Premium-Modelle erreichen 20.000 mm und mehr.
Wenn Du maximale Atmungsaktivität willst, musst Du bei der Wasserdichte Abstriche machen – und umgekehrt. Eine bewährte Alternative ist das Zwiebelprinzip: Eine sehr atmungsaktive Zwischenschicht (z. B. Softshell) kombiniert mit einer leichten Packaway-Regenjacke als dritte Schicht, wenn es doch stark zu regnen beginnt.
Welcher Wert passt zu welcher Aktivität?
Die Frage „welcher MVTR-Wert reicht" hängt stark davon ab, wie und wo Du die Jacke einsetzen willst. Aus unserer Beratungspraxis hat sich folgende Übersicht bewährt:
| Aktivität | Empfohlener MVTR | Empfohlener RET | Typische Jackenkategorie |
|---|---|---|---|
| Alltag, Stadt, leichte Spaziergänge | 3.000 g/m²/24h | RET 13–20 | Alltagsjacke, leichte Regenjacke |
| Wandern, Gassigehen, Gartenarbeit | 5.000 g/m²/24h | RET 9–13 | Wanderjacke, Outdoorjacke |
| Radfahren, Joggen, aktive Touren | 10.000 g/m²/24h | RET 6–9 | Funktionsjacke, Softshell |
| Bergtour, Skitour, schwere Anstrengung | 15.000 g/m²/24h und mehr | RET unter 6 | Hardshell, Bergjacke |
| Expedition, Extrembedingungen | 20.000 g/m²/24h und mehr | RET unter 6 | Premium-Hardshell, 3-Lagen-Laminat |
Unsere Empfehlung aus der Praxis: Für 90 Prozent aller Anwender ist eine Jacke mit 5.000 bis 10.000 g/m²/24h der richtige Kompromiss aus Leistung und Preis. Alles darüber ist für den durchschnittlichen Nutzer nicht mehr im Alltag spürbar.
Warum Atmungsaktivität in Übergrößen noch wichtiger ist
Aus unserer Beratung wissen wir: Menschen mit kräftigerer Statur schwitzen bei gleicher Aktivität oft stärker als Normalgewichtige. Die Körperoberfläche ist größer, die Wärmeabgabe ebenfalls. Eine gut atmungsaktive Jacke ist deshalb bei Outdoor-Bekleidung in Übergrößen kein Komfort-Feature, sondern ein Funktionsgewinn.
Konkret bedeutet das für den Kauf:
- Bei regelmäßiger Bewegung mindestens 5.000 g/m²/24h wählen, lieber 10.000 g/m²/24h
- Zusätzliche Ventilationsöffnungen unter den Armen oder an den Seiten sind bei großen Größen besonders hilfreich
- Zwiebelprinzip statt dicker Einzeljacke: Atmungsaktivität funktioniert besser in mehreren Schichten
- Bei Jacken in XXL und größer auf lange Reißverschlüsse und großzügige Achselbelüftung achten
Passende Modelle findest Du in unseren Kategorien für Damen-Outdoorjacken in Übergrößen und Herren-Outdoorjacken in XXL.
Häufige Fragen zur Atmungsaktivität
Was bedeutet atmungsaktiv bei einer Jacke?
Atmungsaktiv bedeutet, dass das Material Wasserdampf von innen nach außen transportieren kann. Beim Schwitzen sammelt sich Feuchtigkeit unter der Jacke – ein atmungsaktives Material lässt diesen Dampf nach außen entweichen, sodass Du trocken bleibst. Wichtig: Es verhindert nicht das Schwitzen selbst, sondern nur, dass die Feuchtigkeit auf der Haut stehenbleibt.
Was bedeutet 3.000 g/m²/24h bei Atmungsaktivität?
Der Wert 3.000 g/m²/24h gibt an, dass pro Quadratmeter Material innerhalb von 24 Stunden 3 Liter Wasserdampf nach außen transportiert werden können. Das ist die unterste Schwelle für Funktionsbekleidung – ausreichend für Alltag und leichte Wanderungen, zu wenig für intensiven Sport.
Welcher RET-Wert ist gut?
Ein RET-Wert unter 6 gilt als sehr atmungsaktiv und findet sich bei hochwertigen Outdoor-Jacken. RET 6 bis 13 ist gut atmungsaktiv und reicht für die meisten Outdoor-Aktivitäten. Werte ab RET 20 sind kaum noch atmungsaktiv. Faustregel: Je niedriger der RET-Wert, desto besser.
Was ist der Unterschied zwischen MVTR und RET?
Beide Werte messen Atmungsaktivität, aber aus unterschiedlicher Richtung. MVTR gibt an, wie viel Wasserdampf durchgelassen wird (höher = besser). RET gibt an, wie groß der Widerstand gegen den Wasserdampf ist (niedriger = besser). Der RET-Wert gilt in der Fachwelt als aussagekräftiger, weil er unter realeren Bedingungen gemessen wird.
Was ist eine gute Atmungsaktivität für eine Regenjacke?
Für eine Regenjacke zum Wandern oder Radfahren sollten mindestens 5.000 g/m²/24h erreicht werden, besser 10.000 g/m²/24h. Bei Bergtouren oder intensiver Belastung empfehlen wir Jacken mit 15.000 g/m²/24h oder mehr. Wichtig ist, dass die Wassersäule parallel passt – eine hochatmungsaktive Regenjacke mit nur 1.500 mm Wassersäule hält nur leichten Regen ab.
Sind teure Jacken automatisch atmungsaktiver?
Nicht automatisch. Der Preis spiegelt oft Material, Verarbeitung und Markenname wider – die reine Atmungsaktivität kann bei einer Jacke für 200 Euro genauso hoch sein wie bei einer für 600 Euro. Worauf es ankommt: der angegebene MVTR- oder RET-Wert, das Laminat (2-, 2,5- oder 3-Lagen) und die Verarbeitung der Nähte. Eine gute Jacke für den Alltag findest Du oft unter 150 Euro.
Wie erhalte ich die Atmungsaktivität meiner Jacke?
Die Atmungsaktivität lässt nach, wenn die DWR-Imprägnierung nachlässt – Wasser perlt dann nicht mehr ab, der Stoff wird „saugig" und der Dampftransport leidet. Regelmäßiges Waschen mit speziellem Funktionswaschmittel und eine Neu-Imprägnierung alle ein bis zwei Saisons halten die Jacke in Form. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Textilpflege und Imprägnierung.
Atmungsaktive Kleidung bei RennerXXL
Bei RennerXXL findest Du atmungsaktive Funktionsbekleidung in Übergrößen und großen Größen, ausgewählt nach MVTR-Wert, Passform und Alltagstauglichkeit. Die wichtigsten Kategorien:
- Damen Outdoorjacken und Herren Outdoorjacken in XXL
- Damen Regenjacken und Herren Regenjacken in Übergrößen
- Damen Wanderhosen und Herren Wanderhosen in XXL
- Fahrradbekleidung in Übergrößen
In jeder Produktbeschreibung geben wir den MVTR-Wert an, wenn der Hersteller ihn bereitstellt – zusammen mit der Wassersäule und den gemessenen Körpermaßen.