Anforderungen an die Bekleidung
Die Aufgabe der Outdoor-Bekleidung lässt sich auf ein vermeintliches einfaches Ziel reduzieren: Sie muss die Kerntemperatur unseres Körpers konstant auf 37°C halten. Das hört sich relativ einfach an, ist bei permanent wechselnden Rahmenbedingungen letztlich aber eine sehr komplexe Aufgabe, die die Bekleidung erfüllen muss. Die nackte Haut des Menschen hat einen sehr engen Toleranzbereich. Besonders bei niedrigen Temperaturen kühlt der Körper schnell aus, weil ein Fell oder eine dicke Isolationsschicht fehlt. Und auch der Zivilisationsspeck vieler Übergewichtiger kann diese Aufgabe nicht erfüllen.
Daher sind wir auf Kleidung angewiesen, wenn wir in der freien Natur unterwegs sind. Hinzu kommt. dass durch verschiedene angenehme Erfindungen wie
z. B, der Heizung eine Anpassung des Körpers an größere Temperaturschwankungen in verschiedenen Jahreszeiten in unserem hoch technischen Zeitalter nicht
mehr erforderlich ist und der Körper diese Anpassung auch nicht mehr leisten kann.
Wenn dann dieser verwöhnte Zivilisationsmensch zu verschiedensten Aktivitäten in der freien Natur aufbricht, muss er sich gegen die Unbilden der Natur wie
Kälte oder schlechtes Wetter durch Kleidung schützen.
Die meisten Outdoor-Aktivitäten sind mit körperlicher Leistung verbunden. D.h. man bewegt sich und das bedeutet in der Regel: der Schweiß rinnt in Strömen. Und das ist auch gut so, denn nachdem unser Körper Wärmeenergie freigesetzt hat, sorgt der Schweiß durch die Verdunstungskälte für Kühlung und so
für den notwendigen Temperaturausgleich.
Je nach körperlichem Zustand und der durchgeführten Outdoor-Aktivität gibt der menschliche Körper unterschiedliche Leistung in Form von Wärme ab. so z. B. bei großen körperlichen Anstrengungen bis zu 600 Watt pro Stunde. Beim Wandern 300 bis 400 Watt pro Stunde und sogar beim Pausieren sind es ungefähr 150 Watt pro Stunde. Aus dieser Leistung und den äußeren Bedingungen ergibt sich dann die Schweißmenge. Bei großen körperlichen Leistungen bei großer Hitze verliert der menschliche Körper bis zu 2 Liter Wasser pro Stunde in Form von Schweiß.
Macht man eine Rast, dann dauert es nicht lange und der Körper beginnt zu frieren. Und hier beginnen die ganzen Problemehen für den Einsatzbereich der
Bekleidung. Erst muss der Körper gekühlt werden, dann plötzlich muss er warm gehalten werden. Also doch nicht ganz so einfach, die Körpertemperatur ständig auf 37°C zu halten. Zum einen muss verhindert werden, dass Kälte und Nässe von außen an den Körper gelangen und ihn so übermäßig kühlen, aber zugleich soll gewährleistet sein, dass Feuchtigkeit und Wärme nach außen befördert werden. Dann aber soll er plötzlich wieder warm gehalten werden. Keine ganz leichte Aufgabe.
Und das auch noch unter äußeren Bedingungen, die sich oftmals ändern: Hitze, gemäßigte Temperaturen, Kälte, extreme Trockenheit, Nieseiregen, Nebel, Dauerregen, Schneestürme, es kann windstill sein, es kann windig sein. Ja. man könnte auch zu Hause bleiben...
Hier hilft uns die Wissenschart und die nie ruhende Outdoor-Industrie, die im Lauf der Zeit verschiedene Materialien entwickelt haben, welche mehrere Funktionen übernehmen und so mit solch widrigen Bedingungen fertig werden können. Das allein reicht zwar noch nicht aus. um bei unterschiedlichen Anforderungen zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen, aber dabei hilft uns ein bewährtes Bekleidungsprinzip.
Das Zwiebelprinzip
hat sich im Lauf der Zeit bei der Outdoor-Bekleidung durchgesetzt und besagt, dass mehrere dünne Schichten an Bekleidung eine sinnvollere und gezieltere
Anpassung an die jeweiligen Bedingungen ermöglichen. als eine einzelne dickere Schicht. Jede Bekleidungsschicht hat eine bestimmte Aufgabe, die sie über die
entsprechende Funktion erfüllt. Grundsätzlich kann man sagen, dass dieses System durch drei aufeinander folgende Lagen an Bekleidung gebildet wird.
Die Schicht direkt am Körper, die Unterwäsche, soll die Feuchtigkeit. also den Schweiß von der Haut ableiten. Die nächste Schicht soll isolieren. d. h .den Körper warm halten und
die Außenschicht soll vor Wind und Regen schützen, also möglichst wind- und wasserdicht sein. Ein Vorteil dieses Systems ist, dass man seine Bekleidung an die jeweiligen Außenbedingungen individuell anpassen kann.
Wenn man also schwitzt, kann man die Isolierschicht, z.B. die Fleece-Jacke ausziehen und ist trotzdem durch Unterwäsche und Windjacke geschützt - oder bei
trockenem Wetter oder wenig Wind kann man einfach
den Wind- und Regenschutz weglassen.
Ein weiterer Vorteil ist, dass die unterschiedlichen Eigenscharten von mehreren verschiedenen Fasern verbunden werden können, was in einem einzelnen Kleidungsstück unmöglich wäre.