Zuletzt überarbeitet am 28. September 2026 von der RennerXXL-Redaktion.
Inhaltsverzeichnis (zum Aufklappen)
- Das Wichtigste im Schnellüberblick
- Was ist ein Kompass?
- Wie funktioniert ein Kompass?
- Magnetkompass und Kreiselkompass
- Wie ist ein Kompass aufgebaut? (alle Teile beschriftet)
- Die rote Kompassnadel – wohin zeigt sie?
- Kompass lesen und ablesen
- Kompass benutzen – Schritt für Schritt
- Kompass ohne Karte benutzen
- Wer hat den Kompass erfunden?
- Wie orientiere ich mich im Gelände?
- Norden ohne Kompass finden
- Video: Linealkompass richtig verwenden
- Welche Arten von Wanderkompassen gibt es?
- Mit Kompass und Karte unterwegs – Ausrüstung in Übergröße
- FAQ – Fragen und Antworten zum Kompass
Ein Kompass ist ein einfaches Werkzeug zur Orientierung: Er braucht weder Strom noch Satelliten und arbeitet auch dann, wenn Handyakku oder GPS-Empfang ausfallen. Auf dieser Seite erklären wir Dir, wie ein Kompass funktioniert, wie er aufgebaut ist und wie Du ihn richtig liest und benutzt – Schritt für Schritt, mit den typischen Fehlerquellen und ihren Grenzen.
Egal, ob Du den Kompass für die Schule, für die nächste Wanderung oder als Backup zum Handy verstehen willst: Wir gehen vom Grundprinzip bis zur Anwendung im Gelände. Wenn Du es eilig hast, findest Du gleich darunter die fünf wichtigsten Schritte.
Umgang mit dem Kompass – das Wichtigste im Schnellüberblick
5 Schritte, um mit Karte und Kompass eine Marschrichtung einzustellen:
- Halte den Kompass waagerecht, damit sich die Nadel frei drehen kann.
- Lege die Kante des Kompasses auf der Karte so an, dass sie Deinen Standort mit dem Ziel verbindet und der Richtungspfeil zum Ziel zeigt.
- Drehe die Kompassdose, bis die Nordlinien im Dosenboden parallel zu den Nord-Süd-Linien der Karte liegen und die Nordmarkierung zum oberen Kartenrand zeigt.
- Nimm den Kompass von der Karte, halte ihn waagerecht vor den Körper und drehe Dich, bis das rote Nadelende im roten Orientierungspfeil liegt.
- Der Richtungspfeil zeigt jetzt Deine Marschrichtung. Peile darauf einen markanten Punkt an, geh hin und wiederhole das.
Was ist ein Kompass?
Ein Kompass ist ein Instrument zur Bestimmung der Himmelsrichtungen. Im Kern besteht er aus einer frei beweglichen, magnetisierten Nadel, die sich am Magnetfeld der Erde ausrichtet. Das rote Ende zeigt nach magnetisch Norden, daraus lassen sich alle anderen Richtungen ableiten.
Entwickelt wurde der Kompass für die Navigation auf See und zu Land. Bis heute ist er das wichtigste analoge Orientierungsmittel. Die Mehrzahl lautet übrigens „Kompasse“.
Wie funktioniert ein Kompass?
Ein Kompass funktioniert über das Erdmagnetfeld. Einfach erklärt: Die Erde ist ein riesiger Magnet, die Kompassnadel ist ein kleiner Magnet. Die Nadel richtet sich entlang der Feldlinien aus und stellt sich so in die Nord-Süd-Linie. Ihr rotes Ende zeigt nach magnetisch Norden – daran liest Du alle Himmelsrichtungen ab.
Warum zeigt die Nadel nach Norden?
Ungleiche Pole ziehen sich an. In der Nähe des geografischen Nordpols liegt physikalisch der magnetische Südpol der Erde – er zieht den Nordpol der Kompassnadel an. Erzeugt wird das Erdmagnetfeld von flüssigem Eisen im äußeren Erdkern, das wie ein Dynamo wirkt. Der magnetische Pol liegt nicht am geografischen Nordpol und wandert langsam.
Drei Nordrichtungen: geografisch, magnetisch und Gitternord
Wer mit Karte und Kompass arbeitet, hat es mit drei verschiedenen „Norden“ zu tun:
- Geografisch Nord: die Richtung zum Nordpol, entlang der Längengrade (Meridiane).
- Magnetisch Nord: dorthin zeigt die Kompassnadel. Die Abweichung zu geografisch Nord heißt Missweisung oder Deklination. In Deutschland liegt sie derzeit bei etwa 3 bis 5 Grad Ost und ändert sich jedes Jahr ein wenig.
- Gitternord: die Richtung der senkrechten Gitterlinien auf der Karte (auf den meisten Wanderkarten das UTM-Gitter). Diese Linien sind keine Meridiane und weichen je nach Lage um einige Grad von geografisch Nord ab.
Für die Praxis zählt der Winkel zwischen Gitternord und magnetisch Nord, die sogenannte Nadelabweichung. Auf topografischen Karten steht sie meist am Kartenrand; in Deutschland liegt sie typischerweise zwischen 0 und 5 Grad. Das klingt wenig, bedeutet aber bei 4 Grad auf einem Kilometer rund 70 Meter seitlichen Versatz. Wie Du sie berücksichtigst, steht unten bei „Marschrichtung bestimmen“.
Wo der Kompass an Grenzen stößt
Ein Kompass braucht keine Energie und keinen Empfang – ganz ausfallsicher ist er trotzdem nicht. Metall, Stromleitungen und Elektronik lenken die Nadel ab, eine Luftblase in der Dose kann sie bremsen, und starke Magnete (etwa Magnetverschlüsse an Handyhüllen oder Taschen) können die Nadel im Extremfall umpolen. Prüf deshalb vor einer wichtigen Tour kurz, ob das rote Ende wirklich nach Norden zeigt, zum Beispiel an einer bekannten Straße auf der Karte.
Magnetkompass und Kreiselkompass – zwei Funktionsprinzipien
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Funktionsprinzipien:
Der Magnetkompass
Das ist der klassische Kompass für Wandern, Trekking und Alltag. Seine magnetisierte Nadel richtet sich am Erdmagnetfeld aus und zeigt nach magnetisch Norden. Er ist sofort einsatzbereit, robust und braucht keine Energie.
Der Kreiselkompass
Der Kreiselkompass kommt ohne Magnetismus aus. Er nutzt einen schnell rotierenden Kreisel und richtet sich an der Erdrotation aus – dadurch zeigt er zum geografischen Nordpol. Er braucht Zeit zum Einpendeln und Energie für den Kreisel und wird deshalb auf Schiffen und in der Luftfahrt eingesetzt, nicht beim Wandern.
Für die Praxis im Gelände ist der Magnetkompass Dein Werkzeug. Alles Folgende bezieht sich auf ihn.
Wie ist ein Kompass aufgebaut? Alle Teile beschriftet
Die Bauformen unterscheiden sich, aber alle besitzen eine magnetische Nadel. Der Basis- oder Plattenkompass besteht aus diesen Teilen:
- Grundplatte: die durchsichtige Kunststoffplatte, auf der die Dose sitzt; ihre Kanten legst Du an die Karte an.
- Richtungspfeil (Marschrichtungspfeil): der Pfeil auf der Grundplatte. Er zeigt vom Körper weg in die Richtung, in die Du gehen willst.
- Kompassdose mit Gradring: die drehbare Dose, in der die Nadel liegt. Der Ring ist in 360 Grad eingeteilt.
- Ablesemarke (Indexmarke): der Strich am Gradring, dort wo der Richtungspfeil auf die Dose trifft. Hier liest Du die Gradzahl ab.
- Magnetnadel: die frei drehbare Nadel in der Dose – das rote Ende zeigt nach magnetisch Norden.
- Orientierungspfeil: der nichtmagnetische, meist rote Pfeil im Dosenboden, oft als „Haus“ oder „Garage“ für die Nadel gezeichnet.
- Nordlinien (Orientierungslinien): die Linien im Dosenboden, parallel zum Orientierungspfeil. Sie werden an den Nord-Süd-Linien der Karte ausgerichtet.
Die rote Kompassnadel – wohin zeigt sie?
Die Grundregel: Rot = Nord. Das rote (oder stärker eingefärbte) Ende der Magnetnadel zeigt nach magnetisch Norden, egal in welche Richtung Du Dich mit dem Kompass drehst – vorausgesetzt, Du hältst ihn waagerecht. Bei vielen Modellen trägt es zusätzlich ein kleines „N“. Das weiße oder schwarze Ende zeigt nach Süden. Wer versehentlich das falsche Ende abliest, läuft in die Gegenrichtung.
Roter Pfeil oder rote Nadel? Nicht verwechseln
Auf den meisten Plattenkompassen gibt es zwei rote Elemente – und genau das sorgt für Verwirrung:
- Die rote Nadelspitze bewegt sich frei und zeigt nach magnetisch Norden. Nur sie reagiert auf das Erdmagnetfeld.
- Der rote Orientierungspfeil ist fest auf den Dosenboden gedruckt und dreht sich nur mit, wenn Du den Gradring drehst. Er zeigt nicht von selbst nach Norden, sondern auf die 0°-Markierung (N) des Rings.
Beim Einstellen bringst Du beide zur Deckung: Du drehst Dich mit dem Kompass, bis die rote Nadel genau im roten Orientierungspfeil liegt – daher der Merksatz „Rot ins Haus“. Erst dann zeigt der Richtungspfeil in die eingestellte Marschrichtung.
Was, wenn die Nadel zittert oder sich nicht einpendelt?
Meist hat das einen von zwei Gründen: Der Kompass ist nicht waagerecht, oder es gibt eine Störquelle in der Nähe (Metall, Auto, Smartphone, Stromleitung). Tritt ein paar Schritte zur Seite und halte den Kompass flach – dann pendelt sich die Nadel ein.
Kompass lesen und ablesen – so geht’s
Beim Ablesen haben zwei Teile unterschiedliche Aufgaben: Die Nadel zeigt Dir, wo Norden ist. Die Gradzahl liest Du an der Ablesemarke am Ende des Richtungspfeils ab – nicht an der Nadel.
Die Himmelsrichtungen
Der Gradring ist von 0° bis 360° eingeteilt: Norden 0°/360°, Osten 90°, Süden 180°, Westen 270°. Nordost entspricht 45°, Südwest 225°.
Die Marschkompasszahl
Die Marschkompasszahl (kurz Marschzahl) ist die Gradzahl, die an der Ablesemarke steht, wenn der Richtungspfeil auf Dein Ziel zeigt und die Nadel im Orientierungspfeil liegt. Beispiel: Marschzahl 45° bedeutet, Du gehst nach Nordost.
Schritt für Schritt: Blickrichtung in Grad ablesen
- Kompass waagerecht vor den Körper halten, Richtungspfeil zeigt geradeaus von Dir weg.
- Den Gradring drehen, bis der rote Orientierungspfeil unter dem roten Nadelende liegt.
- An der Ablesemarke die Gradzahl ablesen – das ist die Richtung, in die der Richtungspfeil zeigt.
Wie benutzt man einen Kompass? Schritt für Schritt
Für die Orientierung im Gelände werden Peilkompasse (in Österreich und beim Militär auch Bussolen genannt) verwendet. Vier Handgriffe brauchst Du immer wieder:
1. Karte einnorden
Stelle die Dose auf 0° (N) und lege eine Kante der Grundplatte an eine senkrechte Gitterlinie der Karte, Richtungspfeil zum oberen Kartenrand. Dreh die Karte mitsamt Kompass auf einer waagerechten Unterlage, bis das rote Nadelende im Orientierungspfeil liegt. Jetzt liegt die Karte so wie das Gelände vor Dir. Die kleine Nadelabweichung von wenigen Grad spielt beim Einnorden zum Kartenlesen praktisch keine Rolle.
2. Marschrichtung auf der Karte bestimmen
Lege die Kompasskante so an die Karte, dass sie Deinen Standort mit dem Ziel verbindet und der Richtungspfeil zum Ziel zeigt. Dreh dann die Dose, bis die Nordlinien im Dosenboden parallel zu den senkrechten Gitterlinien der Karte liegen und die Nordmarkierung zum oberen Kartenrand zeigt – orientiere Dich dabei am Gitter, nicht an der Kartenschrift. An der Ablesemarke steht jetzt der Kartenwinkel in Grad.
Nadelabweichung einrechnen: Der Kartenwinkel bezieht sich auf Gitternord, der Kompass auf magnetisch Nord. Bei östlicher Nadelabweichung ziehst Du den Wert ab, bei westlicher zählst Du ihn dazu. Beispiel: Kartenwinkel 120°, Nadelabweichung 3° Ost → am Kompass 117° einstellen. Manche Kompasse haben eine Deklinationsschraube, mit der Du den Wert einmal fest einstellst. Auf kurzen Strecken mit Sichtziel kannst Du die Korrektur weglassen; bei längeren Etappen, im Nebel oder in weglosem Gelände solltest Du sie machen.
Je länger die Strecke zum Ziel, desto größer wird jeder kleine Fehler – teile lange Strecken lieber in kurze Etappen mit klaren Zwischenzielen. Wie Du Gehzeiten realistisch berechnest, erklären wir in einem eigenen Ratgeber.
3. Marschrichtung ins Gelände übertragen
Nimm den Kompass von der Karte, ohne die Dose zu verstellen. Halte ihn waagerecht vor den Körper und dreh Dich, bis das rote Nadelende im Orientierungspfeil liegt. Der Richtungspfeil zeigt jetzt Deine Marschrichtung. Such Dir in dieser Richtung einen markanten Punkt – Baum, Felsblock, Mast –, geh hin und peile von dort den nächsten an. Bei Nebel auf freier Fläche kann eine Begleitperson in Rufweite vorausgehen und als Richtungsmarke dienen.
4. Standort bestimmen
Wenn Du nicht mehr sicher weißt, wo Du bist, hilft das Rückwärtseinschneiden:
- Such Dir einen markanten Punkt im Gelände, den Du auch auf der Karte findest (Gipfel, Kirchturm, Sendemast).
- Peile ihn mit dem Kompass an und lies die Gradzahl ab.
- Rechne die Nadelabweichung zurück (bei östlicher Abweichung dazuzählen) und bilde die Gegenrichtung (±180°). Trage diese Linie auf der Karte vom Punkt aus ein – irgendwo auf dieser Linie stehst Du.
- Wiederhole das mit einem zweiten Punkt, idealerweise etwa im rechten Winkel zum ersten. Wo sich beide Linien schneiden, ist Dein Standort. Eine dritte Peilung zeigt Dir, wie genau Du gearbeitet hast.
Stehst Du ohnehin an einer eindeutigen Linie der Karte (Weg, Bachlauf, Grat), reicht oft eine einzige Peilung.
Kompass ohne Karte benutzen
Ohne Karte kann der Kompass Dir eine Richtung geben und halten helfen – er zeigt Dir aber weder Deinen Standort noch einen begehbaren Weg.
Eine bekannte Richtung halten
Weißt Du, dass Dein Ziel etwa im Südwesten liegt, stellst Du 225° an der Ablesemarke ein und drehst Dich, bis die rote Nadel im Orientierungspfeil liegt. Der Richtungspfeil zeigt jetzt nach Südwesten. Such Dir in dieser Richtung einen festen Punkt in der Ferne und geh ihn an. Musst Du einem Hindernis ausweichen, nimm danach die Richtung von einem neuen Peilpunkt aus wieder auf.
Sichtbares Ziel anpeilen und Marschzahl ablesen
- Halte den Kompass waagerecht auf Brusthöhe und richte den Richtungspfeil auf das Ziel, zum Beispiel eine Hütte oder einen Gipfel.
- Dreh den Gradring, bis der rote Orientierungspfeil unter der roten Nadelspitze liegt („Rot ins Haus“).
- Lies an der Ablesemarke die Marschzahl ab und notiere sie.
Verschwindet das Ziel hinter Bäumen oder im Nebel, hältst Du diese Gradzahl über Zwischenziele – so bleibst Du in der richtigen Richtung, auch wenn Du das Ziel nicht mehr siehst.
Rückweg: Gegenkurs nur für gerade Strecken
Der Gegenkurs (Marschzahl ±180°) bringt Dich nur auf einer geraden Teilstrecke zurück. Beispiel: Hinweg 45° (Nordost), Rückweg 225° (Südwest). Bist Du Kurven gegangen oder Hindernissen ausgewichen, stimmt das nicht mehr. Dann hilft nur: jede Etappe mit Marschzahl und grober Gehzeit notieren und in umgekehrter Reihenfolge mit dem jeweiligen Gegenkurs zurückgehen.
Auffanglinie statt Punktziel
Ohne Karte triffst Du einen bestimmten Punkt kaum genau. Steuere deshalb eine lange, eindeutige Auffanglinie an – eine Forststraße, eine Talstraße, eine Bahnlinie, einen Seeufer-Weg. Liegt Dein Ziel an dieser Linie, halte bewusst etwas links oder rechts daneben (Vorhalten): Dann weißt Du beim Erreichen der Linie, in welche Richtung Du abbiegen musst.
Wichtig im Bergland: Folge nicht einfach einem Bachlauf talwärts. Bäche führen oft in Gräben, Schluchten und über Abbrüche, die von oben nicht zu sehen sind. Wege und Forststraßen sind die sichereren Auffanglinien.
Wer hat den Kompass erfunden?
Frühe magnetische Richtungsanzeiger sind aus China bekannt, wo magnetisierte Löffel und Nadeln schon vor rund tausend Jahren genutzt wurden. In Europa verbreitete sich der Kompass im Hochmittelalter und war lange vor allem ein Instrument der Seefahrt. Der Plattenkompass, wie ihn Wanderer heute nutzen, entstand erst im 20. Jahrhundert.
Wie orientiere ich mich im Gelände?
7 Schritte, wie Du Dich im Gelände orientierst. Voraussetzung sind halbwegs gute Sicht, eine Wanderkarte (am besten mit Höhenlinien) und ein Kompass. Vom Start an verfolgst Du den Weg auf der Karte mit, damit Du jederzeit weißt, wo Du bist.
- Halte die Karte so vor Dir, dass die sichtbare Umgebung darauf erkennbar ist.
- Norde die Karte ein: oberer Kartenrand nach Norden, bestimmt mit dem Kompass.
- Such Dir markante Punkte im Gelände – Täler, Flussläufe, Berge, Seen, Ortschaften oder Straßen.
- Wähle mehrere solcher Punkte in verschiedenen Himmelsrichtungen.
- Vergleiche ihre Lage mit der Karte und finde sie dort wieder.
- Bei Abweichungen korrigierst Du Deinen vermuteten Standort entsprechend.
- Wiederhole das, bis Du Dir über Deinen Standort sicher bist.
Häufiger Denkfehler: „Die Nadel zeigt nach Osten, also muss ich nach Osten gehen.“ Die Nadel zeigt immer nach Norden. Deine Marschrichtung ergibt sich erst, wenn die Nadel im Orientierungspfeil liegt – dann zeigt der Richtungspfeil, wohin Du gehst, und die Ablesemarke, wie viel Grad das sind.
Norden ohne Kompass finden – Notfallmethoden
Ohne Kompass kannst Du Norden grob aus Sonne und Sternen ableiten. Alle diese Methoden sind deutlich ungenauer als ein Kompass und taugen nur, um eine ungefähre Richtung zu bekommen – nicht, um einen Punkt genau zu treffen.
Norden auf der Karte
Auf Wanderkarten ist Norden oben. Die senkrechten Gitterlinien zeigen Gitternord, die Nadelabweichung zum Kompass steht meist am Kartenrand (siehe oben).
Uhrenmethode
Auf der Nordhalbkugel richtest Du den Stundenzeiger einer Analoguhr auf die Sonne. Die Winkelhalbierende zwischen Stundenzeiger und der 12 zeigt nach Süden – bei Sommerzeit nimmst Du statt der 12 die 1. Die Methode ist grob: Je höher die Sonne steht, also vor allem im Sommer um die Mittagszeit, desto größer der Fehler, der leicht 20 Grad und mehr betragen kann. Auf der Südhalbkugel richtest Du die 12 auf die Sonne; die Winkelhalbierende zwischen 12 und Stundenzeiger zeigt dann nach Norden.
Polarstern
Der Polarstern steht auf der Nordhalbkugel fast genau über geografisch Nord. Du findest ihn, indem Du die hintere Kante des Großen Wagens etwa fünfmal nach oben verlängerst. Das ist die genaueste der Naturmethoden, braucht aber einen klaren Nachthimmel.
Schattenmethode
Steck einen Stab senkrecht in ebenen Boden und markiere die Spitze des Schattens. Warte 15 bis 20 Minuten und markiere die neue Schattenspitze. Die Linie von der ersten zur zweiten Markierung zeigt ungefähr von West nach Ost. Am genauesten ist das um die Mittagszeit; morgens und abends wird es ungenauer.
Genauer, aber zeitaufwendig: Markiere am Vormittag die Schattenspitze, zieh mit der Schattenlänge als Radius einen Kreis um den Stab und warte, bis die Schattenspitze am Nachmittag den Kreis wieder berührt. Die Verbindung dieser beiden gleich langen Schatten ist eine recht genaue Ost-West-Linie.
Video: Linealkompass richtig verwenden
Der Umgang mit einem Linealkompass, anschaulich erklärt:
Welche Arten von Wanderkompassen gibt es?
- Plattenkompasse: der Standard fürs Wandern – Dose auf durchsichtiger Grundplatte, ideal zum Arbeiten mit der Karte.
- Spiegelkompasse: mit Klappspiegel und Visier, um gleichzeitig anzupeilen und abzulesen; genauer beim Anpeilen entfernter Punkte.
- Prismenkompasse: robuste Peilkompasse für genaue Richtungsmessung, weniger bequem mit der Karte.
- Taschenkompasse: kleine, einfache Modelle für eine grobe Richtung, ohne Grundplatte für die Kartenarbeit.
- Digitalkompasse: als App auf Smartphone oder Smartwatch – praktisch, aber von Akku und Sensor abhängig.
Wie funktioniert der Kompass auf dem Handy?
Der digitale Kompass im Smartphone nutzt einen Magnetometer-Sensor, der das Erdmagnetfeld misst – das Prinzip ist also dasselbe wie beim klassischen Kompass. Der Sensor muss ab und zu kalibriert werden (meist durch eine Acht-Bewegung) und reagiert empfindlich auf Magnethüllen und andere Elektronik.
Ob Handy, GPS-Uhr oder Navi: Akku, Kälte und Empfang setzen der Technik Grenzen. Ein mechanischer Kompass mit Karte ist deshalb ein sinnvolles Backup, das wenig wiegt und im Rucksack kaum Platz braucht. Er gehört auf jede Packliste für Touren abseits gut markierter Wege.
FAQ – Fragen und Antworten zum Kompass
Wie funktioniert ein Kompass einfach erklärt?
Die Erde ist ein riesiger Magnet, die Kompassnadel ein kleiner. Die Nadel richtet sich am Erdmagnetfeld aus und stellt sich in die Nord-Süd-Linie. Ihr rotes Ende zeigt nach magnetisch Norden, daran leitest Du alle Himmelsrichtungen ab.
Woher weiß der Kompass, wo Norden ist?
In der Nähe des geografischen Nordpols liegt der magnetische Südpol der Erde. Ungleiche Pole ziehen sich an, also wird das Nordende der Kompassnadel dorthin gezogen.
In welche Richtung zeigt ein Kompass immer?
Das rote Ende der Magnetnadel zeigt immer nach magnetisch Norden, solange Du den Kompass waagerecht hältst und keine Störquelle in der Nähe ist. Der Richtungspfeil auf der Grundplatte zeigt dagegen dorthin, wohin Du den Kompass richtest.
Roter Pfeil oder rote Nadel – was zeigt nach Norden?
Nur die rote Nadel. Der rote Orientierungspfeil ist auf den Dosenboden gedruckt und bewegt sich nur, wenn Du den Gradring drehst. Zum Einstellen bringst Du die rote Nadel genau in den roten Pfeil – Merksatz: „Rot ins Haus“.
Wie bestimme ich mit dem Kompass die Himmelsrichtung?
Stelle den Gradring auf 0° (N) und halte den Kompass waagerecht. Dreh Dich, bis die rote Nadel im Orientierungspfeil liegt. Jetzt zeigt der Richtungspfeil nach Norden, hinter Dir liegt Süden, rechts Osten und links Westen.
Wie liest man einen Kompass richtig?
Halte den Kompass waagerecht, richte den Richtungspfeil auf das Ziel und dreh den Gradring, bis der rote Orientierungspfeil unter dem roten Nadelende liegt. Die Gradzahl liest Du an der Ablesemarke am Ende des Richtungspfeils ab.
Muss ich die Missweisung beim Wandern beachten?
Auf kurzen Strecken mit Sichtziel kaum. Wenn Du eine Richtung von der Karte auf den Kompass überträgst und länger weglos oder im Nebel gehst, schon: Bei 4 Grad Abweichung liegst Du nach einem Kilometer rund 70 Meter daneben. Die Nadelabweichung steht meist am Kartenrand; bei östlicher Abweichung ziehst Du sie vom Kartenwinkel ab.
Welche Arten von Kompassen gibt es?
Nach Funktionsprinzip unterscheidet man Magnetkompass und Kreiselkompass. Bei Wanderkompassen gibt es Platten-, Spiegel-, Prismen- und Taschenkompasse sowie Digitalkompasse als App.
Kann man einen Kompass ohne Karte benutzen?
Ja, um eine bekannte Richtung zu halten: Richtung am Gradring einstellen, drehen, bis die rote Nadel im Orientierungspfeil liegt, dem Richtungspfeil folgen. Den Standort und einen begehbaren Weg liefert der Kompass ohne Karte nicht. Der Gegenkurs (±180°) führt nur auf einer geraden Strecke zurück.
Wie funktioniert ein Kompass auf dem Handy?
Der digitale Kompass nutzt einen Magnetometer-Sensor, der das Erdmagnetfeld misst – dasselbe Prinzip wie beim mechanischen Kompass. Der Sensor sollte regelmäßig kalibriert werden und reagiert empfindlich auf Magnethüllen und andere Elektronik.
Mit Kompass und Karte unterwegs – Ausrüstung in Übergröße
Kompass und Karte brauchen einen festen, gut erreichbaren Platz. In der Hosentasche liegen sie neben Handy und Schlüsselbund, die die Nadel stören, und bei engem Schnitt am Bauch kommst Du im Sitzen schlecht heran. Praktischer ist eine Brusttasche, die auch mit geschlossenem Hüftgurt erreichbar bleibt. Viele Taschen auf Brusthöhe haben Outdoorwesten für Damen in großen Größen und XXL-Outdoorwesten für Herren. Da man den Kompass vor allem bei schlechtem Wetter braucht, lohnt sich eine Regenjacke in großen Größen mit Brusttasche, in die eine gefaltete Karte passt.
Unsicher bei der Größe? Wir messen unsere Artikel selbst aus und beraten Dich telefonisch.
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Hallo,
ich bin auch noch ein Freund der guten, alten Bussole. Auch wenn ich die Vorzüge des GPS-Gerät nutze, habe ich doch immer eine Karte und einen Kompass dabei. Technik kann ja auch mal versagen.
Genau wie Jack Sparrow haben wir aber auch einen inneren Kompass. Und dieser bringt uns immer wieder auf den Kurs. Wir müssen nur ab und zu einen Blick darauf werfen.
Gruß,
David
heutzutage nimmt man da einfach sein iphone und packt sich ein app über kompass benutzen drauf!
In der digitalen Welt – wer braucht da noch einen Kompass?
Gerade im Wald ist nicht immer GPS verfügbar.
Nicht jeder hat ein Smartphone mit App.
Wenn man kein Akku hat, hat man kein Kompass.
Kompass ist günstig und einfach zu bedienen!
welche Kompass Apps gibt es denn… habe nix gefunden
ich hab in der Schule noich gelernt, wie man sich ohne Kompass zurecht findet: wo Moos an den Bäumen wächst ist Norden oder mit der klassischen Armbanduhr
es gibt ein gutes Buch zu diesem Thema: > Wolfgang Linke „Orientierung mit Karte, Kompass, GPS“
Noch zur Info: Der DAV bietet regelmäßig Kurse und Vorträge dazu an. Einfach in eurer Sektion nachfragen!
Schöner Artikel. Den richtigen Umgang mit dem Kompass weiß heutzutage keiner mehr. Wahrscheinlich nehmen die jungen Leute dafür heutzutage nur noch ihr Handy. Bei der Bundeswehr hat man damals noch richtig gelernt, wie man Karte und Marschkompass richtig verwendet.
Klar nehmen die Kids heute lieber eine App. Ich finde es dennoch wichtig die Verwendung eines Kompass zu lernen. Ich persönlich mag es auch lieber Karte und Kompass in der Hand zu haben, da kann auch nicht der Akku leergehen
Mir ist es letztens in neuem Ausreitgelände passiert, das ich im Forst die Orientierung verloren habe. Meine App hat total versagt, weil sie ein update bekommen hat. Google maps ist im Wald unbrauchbar. Ich bin dann immer gerade aus, bus ich an den Waldrand gekommen bin. Von dort konnte ich mich orientieren und wieder zurück reiten. Nach 2,5 std statt geplanter 1 std hab ich wieder in den Stall gefunden, mit grosser Mithilfe meines Ponys. Obwohl das Gelände auch für sie neu ist, hatte sie die bessere Orientierung. Ich habe jetzt eine neue, bessere App und zusätzlich einen einfachen Kompass zur Sicherheit, falls die Technik versagt.
Hier noch ein paar Antworten auf viele Fragen die wir bekommen haben:
F: Woher weiß ich, auf welchen Pfeil schauen muss: weiß oder rot?
A: Der Rote. Manchmal enthält die rote (magnetische) Nadel auch einen kleinen „N“ -Buchstaben, was „Nord“ bedeutet.
F: Welchen Pfeil sollte ich folgen?
A: Derjenige Pfeil, der sich auf sich selbst bewegt, ist der Pfeil, der auf den magnetischen Norden zeigt.
F: Woher weiß ich, aus welcher Richtung der Wind kommt?
A: Dreh dich so, damit der Wind dir ins Gesicht bläst. Benutze den Kompass, um herauszufinden, in welcher Richtung du dich befindest. Das ist die Richtung, aus der der Wind bläst.
F:Spielt es eine Rolle wo ich stehe, wenn ich einen Magnetkompass anwende?
A:Solange kein Metall in deiner Nähe ist, ist es egal, wo du stehst.
F: Mein Kompass hat einen roten Pfeil mit „Norden“ drauf, aber da ist eine Blase im Kompass. Was mache ich damit?
A: Zentriere die Blase in ihrem Kreis. Dies zeigt an, dass der Kompass waagerecht ist, um sich genau zu bewegen.
Ich habe meine Position anhand einer Karte, wie finde ich die GPS-Koordinaten an meinem Standort? Google Maps zeigt das an, aber nicht für meinen Standort.
Karte und Kompass benutzen, ist ein so grundlegend beim Wandern und Trekking, dass es eines der ersten Dinge sein sollte, die man lernt, bevor man in die Wildnis aufbricht.
toller Artikel. Ja, es stimmt, ein Kompass ist eine sehr wichtige Sache, die man nie vergessen sollte, wenn man im Freien zeltet.
Ich wünschte, jeder, der nur mit GPS unterwegs ist, sollte das lesen und ein wenig üben. Bin heute wieder nach Köln mit dem Auto gefahren und hab gemerkt, dass ich eigentlich voll abhängig vom Navi geworden bin.
Da stimme ich zu. Die Grundlagen des Wanderns beinhalten Kompass und Karte
hab mich letzten herbst beim pilze sammeln verlaufen, der gute plastik kompass für 3 euro hat mich gerettet.
Ich bin oft mit meinen Pfadfinder Kids unterwegs (9-12J). Fast alle haben ein Handy, sind aber absolut begeistert wenn sie lernen mit Karte und Kompass um zu gehen.
Übrigens eine der Lehreinheiten bei den Pfadfindern.
Ich finde auch, bevor man überhaupt ein GPS anfaßt, sollte jeder lernen, mit dem Kompaß umzugehen. Und zumindest einen leichten und einfachen auch mitnehmen, wenn’s nach draußen geht. Denn Elektronik ist empfindlich und in der Regel halten die Akkus gerade bei GPS-Peilungen nicht lange. Und wer mit Karte und Kompaß richtig umgehen kann, versteht wenigstens vom Grundsatz her, wie Orientierung funktioniert. Letzten Endes macht’s auch mindestens soviel Spaß wie Geochaching mit GPS…
Zum glück gibt es die Seite, jetzt weis ich endlich wie man dieses Ding benutzt 🙂
Vielen Dank für diesen informativen Blogbeitrag! Heutzutage ist es eine Kunst, einen Kompass richtig zu bedienen und sich im Gelände ohne elektronische Hilfsmittel fortzubewegen. Schade eigentlich!
Liebe Grüße
Elisabeth Fischer
Am besten einen Kurs machen, wie man mit Karte und Kompass am besten umgeht. Viele Händler bieten sowas vor Ort an.
Kundenanfrage per Mail,
Hallo, ich war letzte Woche mit meinem Mann im Allgäu wandern und wir haben uns trotz Karte und Kompass einmal kurz verlaufen. Ich habe den Kompass richtig eingenordet, aber als ich die Marschrichtung übertragen wollte, hat die Nadel plötzlich woanders hingezeigt als erwartet. Mein Mann meinte, ich hätte den Kompass zu nah an seiner Uhr gehalten. Kann das wirklich sein? Und wie weit muss man Metall eigentlich weghalten?
—
Hallo und danke für Ihre Frage – das klingt nach einem klassischen Fehler, den viele beim ersten Mal machen und der sich danach nie wiederholt!
Ihr Mann hat vollkommen recht. Eine Armbanduhr, besonders mechanische oder solche mit Stahlgehäuse, kann die Kompassnadel tatsächlich ablenken – manchmal um mehrere Grad. Das reicht auf längere Distanz, um spürbar vom Kurs abzukommen.
Als Faustregel gilt: mindestens 10–15 cm Abstand zu Armbanduhren, Gürteln mit Metallschnallen und Smartphones. Bei starken Störquellen wie Trafostationen oder Metallzäunen sogar noch mehr.
Am sichersten ist es, den Kompass immer mit ausgestreckten Armen vor dem Körper zu halten und bewusst zu prüfen, ob sich in unmittelbarer Nähe Metall befindet – bevor man die Nadel abliest.
Für Ihre nächste Allgäu-Tour: einfach kurz innehalten, Abstand zu Metall schaffen, Kompass waagerecht halten, Nadel einschwingen lassen – dann klappt es zuverlässig.
Viel Spaß auf der nächsten Tour!
Gerhard von Outdoor-Renner