„Ich trage Größe 54 – welche Buchstabengröße ist das jetzt?“ Diese Frage bekommen wir fast täglich. Und die ehrliche Antwort lautet: Das kommt darauf an, wer das Etikett bedruckt hat. Ein 3XL kann bei der einen Marke einer 54 entsprechen, bei der nächsten einer 58 – und bei einer dritten passt es Dir nur, wenn Du schmale Beine hast. Hier erklären wir Dir, warum das so ist, welche Werte Du grob ansetzen kannst und wie Du Deine Größe bestimmst, ohne auf den Buchstaben angewiesen zu sein.
Die kurze Antwort: Was XXL, 2XL, 3XL und 4XL üblicherweise bedeuten
Die folgenden Werte haben wir aus den Herstellertabellen abgeleitet, die wir für unser Sortiment und für die Marken-Größentabellen in unserem Shop pflegen. Sie sind eine Orientierung, keine Norm – die Spannweite zwischen einzelnen Herstellern beträgt regelmäßig eine bis zwei Konfektionsgrößen. Für Damen:
| Buchstabengröße | Damen-Konfektion (typisch) |
|---|---|
| XL | 46 / 48 |
| XXL bzw. 2XL | 50 / 52 |
| 3XL | 54 / 56 |
| 4XL | 58 |
Und für Herren:
| Buchstabengröße | Herren-Konfektion (typisch) |
|---|---|
| XL | 54 |
| XXL bzw. 2XL | 56 |
| 3XL | 58 / 60 |
| 4XL | 62 |
| 5XL | 64 |
| 6XL | 66 |
Wichtig: Das sind Erfahrungswerte, keine Norm. Die genauen Zuordnungen inklusive Brust-, Taillen- und Hüftmaßen findest Du in unserer Größentabelle für Damen und in der Größentabelle für Herren, wo wir zusätzlich den Bauchumfang mit aufführen – bei kräftigen Figuren oft das aussagekräftigere Maß als die Konfektionsgröße.
Warum es für Buchstabengrößen keine verbindliche Norm gibt
Das überrascht viele: Es gibt zwar eine europäische Norm zur Größenkennzeichnung von Bekleidung (EN 13402). Die regelt aber, dass Körpermaße angegeben werden – Brustumfang, Taillenumfang, Körpergröße. Sie schreibt nicht vor, welcher Buchstabe zu welchem Umfang gehört.
Jeder Hersteller darf also selbst festlegen, was bei ihm ein 3XL ist. Ein Anbieter mit sportlicher Zielgruppe setzt sein XXL kleiner an als ein Spezialist für große Größen. Beide halten sich an die Regeln – und Du stehst mit zwei Paketen da, in denen zweimal „3XL“ steht und die zwei Nummern auseinanderliegen.
Warum der Schnitt oft nicht mitwächst
Der größere Ärger sitzt tiefer als beim Etikett. Gradiert wird jede Größe – das ist der normale Weg, aus einem Grundschnitt einen kompletten Größenlauf zu entwickeln, und daran ist nichts falsch. Entscheidend ist, worauf gradiert wird und wie weit.
Üblich ist ein Grundschnitt in einer mittleren Größe, an einer Passformbüste oder einem Passformmodell entwickelt. Solange man sich ein paar Größen davon entfernt, funktioniert das gut. Über mehrere Größen hinweg stößt es an Grenzen, weil sich die Proportionen mit zunehmender Größe verschieben: Bauch- und Oberschenkelumfang nehmen stärker zu als Brustumfang oder Halsweite, und die Körpergröße bleibt gleich. Wer den Größenlauf mit unveränderten Gradierregeln nach oben verlängert, statt für die großen Größen einen eigenen Grundschnitt zu entwickeln und an einem entsprechenden Passformmodell zu prüfen, bekommt genau das, was uns Kunden schildern:
- Die Hose passt am Bund, geht aber an Oberschenkel und Waden nicht drüber
- Das Shirt ist bauchseitig weit genug, aber zu kurz – beim Armeheben rutscht es hoch
- Der Halsausschnitt wird mit jeder Größe breiter, obwohl der Hals gleich bleibt
- Die Beinlänge wächst mit der Weite mit, obwohl Du nicht größer geworden bist
- Ärmel sitzen bei kräftigen Oberarmen zu eng, sind aber gleichzeitig zu lang
Marken, die für große Größen einen eigenen Grundschnitt entwickeln, liefern nach unserer Beobachtung spürbar bessere Ergebnisse. Maier Sports gehört aus unserer Sicht dazu, ebenso Maul; bei Fahrradbekleidung sehen wir das bei Gonso. Umgekehrt fallen Löffler und Pinewood in den großen Größen nach unserer Erfahrung eher knapp aus – wir empfehlen dort in der Beratung meist eine Nummer größer. Das sind Einschätzungen aus unserem eigenen Sortiment und unserer Beratungspraxis, keine allgemeingültigen Markturteile; bei einzelnen Modellen kann es anders aussehen.
Warum wir Slim Fit gar nicht erst führen
Aus derselben Logik heraus haben wir eine Sortimentsentscheidung getroffen, die uns anfangs Umsatz gekostet hat: Slim-Fit-Modelle nehmen wir nicht ins Programm. Auch dann nicht, wenn eine Marke, die wir sonst schätzen, ein solches Modell in großen Größen anbietet.
Slim Fit ist an genau den Stellen eng geschnitten, an denen unsere Kundinnen und Kunden Volumen haben: Bauch, Oberschenkel, Waden. Ein Slim-Fit-Modell in Größe 56 gibt es rechnerisch, in unserer Beratungspraxis hat es sich aber selten bewährt. Wir haben lieber ein kleineres Sortiment, das passt, als ein größeres mit hoher Rückläuferquote – zumal die Retouren, die bei uns anfallen, überwiegend auf Passform zurückgehen und nicht auf Materialmängel.
XXL ist keine Langgröße
Ein Missverständnis, das uns besonders oft begegnet: Buchstabengrößen bilden in erster Linie die Weite ab. Längen wachsen zwar meist etwas mit, aber nach dem Schlüssel des Herstellers und nicht nach Deiner Körpergröße. Ein 4XL sagt Dir also nicht, ob Bein oder Rücken zu Dir passen.
Wenn Dir Hosen regelmäßig zu lang sind, brauchst Du keine kleinere Größe, sondern eine Kurzgröße. Sind sie dauernd zu kurz, ist eine Langgröße die Lösung. Beides sind eigene Größensysteme mit eigener Nummerierung – und beides löst Probleme, an denen ein Griff zur nächstgrößeren Normalgröße scheitert, weil die Hose dann zwar länger, aber eben auch überall weiter ist.
„Bis Größe 64 erhältlich“ heißt nicht, dass Du sie bekommst
Noch ein Punkt, den man als Kunde erst nach ein paar Enttäuschungen versteht: Zwischen dem, was ein Anbieter im Größenlauf ankündigt, und dem, was tatsächlich produziert und bevorratet wird, liegt oft eine Lücke. Die obersten Größen werden häufig nur in kleinen Stückzahlen und in wenigen Farben gefertigt. Wer im Frühjahr sucht, findet sie noch – im Herbst sind die Randgrößen als Erstes weg und werden nicht nachproduziert.
Für Dich heißt das praktisch: Wenn Du am oberen Ende eines Größenlaufs kaufst, kauf früh in der Saison. Und wenn ein Modell passt, ist ein zweites Exemplar keine dumme Idee – die Wahrscheinlichkeit, dass es die Saison drauf identisch wiederkommt, ist gering.
So bestimmst Du Deine Größe, ohne auf den Buchstaben zu vertrauen
Der Weg, der markenübergreifend funktioniert, führt über Deine Körpermaße. Dabei musst Du zwei Dinge sauber auseinanderhalten, sonst vergleichst Du Äpfel mit Birnen.
Deine Körpermaße nimmst Du am Körper ab, über der Unterwäsche, das Maßband waagerecht und nicht stramm gezogen:
- Brustumfang – an der stärksten Stelle
- Bauchumfang – an der stärksten Stelle, ohne den Bauch einzuziehen
- Innenbeinlänge – vom Schritt senkrecht bis zum Boden, barfuß gemessen
Wie Du dabei genau vorgehst, zeigen wir Schritt für Schritt auf unserer Maßtabelle mit Messanleitung.
Die Produktmaße sind etwas anderes: Sie werden am flach ausgebreiteten Kleidungsstück abgenommen, nicht am Körper. Bei Hosen sind das Bundweite und Innenbeinlänge des Kleidungsstücks, bei Oberteilen Brustweite, Bundweite und Armlänge innen. Wir messen jeden relevanten Artikel dafür von Hand aus – etwa 20 bis 30 Neuzugänge im Monat – und zeigen die Werte im Shop direkt unter der jeweiligen Größe an. Die Umrechnung von Bundweite und Innenbeinlänge in Konfektionsgrößen findest Du in der Größentabelle für Hosen.
Der Schritt, den die meisten überspringen: Halte Deine Körpermaße gegen diese Produktmaße statt gegen die Konfektionsgröße – und rechne dabei die Bewegungszugabe ein, die Du haben willst. Bei einer Softshelljacke, die über einen Pullover passen soll, sind das schnell zehn Zentimeter mehr Brustweite. Wenn Du unsicher bist, welcher Zuschlag sinnvoll ist, ruf uns lieber vorher an.
Was gilt bei welcher Marke? Die Tabellen im Überblick
Weil eben jede Marke ihr eigenes System fährt, pflegen wir für über 50 Hersteller die jeweiligen Originaltabellen – auch für Marken, die wir selbst gar nicht führen. Nachschlagen lohnt sich immer vor der Bestellung:
- Wellensteyn Größentabelle
- Jack & Jones Größentabelle
- Ulla Popken Größentabelle
- Engelbert Strauss Größentabelle
- Camel Größentabelle
- Jack Wolfskin Größentabelle
- Walbusch Größentabellen
- Zizzi Größentabelle
- Trigema Größentabelle
Eine Übersicht aller Hersteller findest Du in unserer Sammlung der Marken-Größentabellen.
Fazit
Buchstabengrößen sind eine Orientierungshilfe, mehr nicht. Sie sind nicht genormt, sie beschreiben nur Weite und keine Länge, und sie verschweigen das eigentliche Problem – nämlich dass viele Schnitte in großen Größen hochgerechnet statt neu konstruiert sind.
Wenn Du Dir drei Maße einmal sauber notierst und sie beim Einkauf gegen die Produktmaße hältst, erledigt sich der größte Teil des Größenchaos von selbst. Und wenn Du unsicher bist: Schick uns Deine Maße, wir gleichen sie mit unserer Datenbank ab und sagen Dir ehrlich, welches Modell passt – und welches nicht. Falls es doch nicht sitzt, hast Du 100 Tage Zeit für die Rückgabe.
Häufige Fragen zu Buchstabengrößen
Welche Größe ist 3XL bei Damen?
3XL entspricht bei Damen üblicherweise Konfektionsgröße 54 oder 56. Verbindlich ist das nicht – je nach Hersteller kann ein 3XL auch einer 52 oder einer 58 entsprechen.
Welche Größe ist XXL bei Herren?
XXL beziehungsweise 2XL steht bei Herren meist für Konfektionsgröße 56. Bei Marken mit sportlichem Schnitt kann es auch einer 54 entsprechen.
Ist 2XL dasselbe wie XXL?
Ja. 2XL und XXL bezeichnen dieselbe Größe, es sind nur zwei Schreibweisen. Ab drei X wird fast immer die Zahlenschreibweise verwendet, also 3XL statt XXXL.
Warum sind Hosen in Übergrößen oft zu eng an den Beinen?
Weil viele Schnitte aus einer Standardgröße hochgerechnet werden. Oberschenkel- und Wadenumfang nehmen bei größeren Figuren überproportional zu, im hochgerechneten Schnitt wachsen sie aber nur nach festem Schlüssel mit.
Bedeutet XXL, dass die Hose auch länger ist?
Nein. Buchstabengrößen bilden vor allem die Weite ab. Für längere oder kürzere Beine gibt es eigene Systeme – Langgrößen und Kurzgrößen.
Was bedeutet 3XL bei US-amerikanischen oder britischen Marken?
Bei US-Marken fällt dieselbe Buchstabengröße meist großzügiger aus als bei europäischen, bei britischen und skandinavischen Marken oft knapper. Verlass Dich hier nicht auf den Buchstaben, sondern auf die Zentimeter-Angaben der Herstellertabelle.
Gibt es Zwischengrößen zwischen 2XL und 3XL?
In Buchstaben nicht – der Sprung von 2XL auf 3XL überspringt in der Regel zwei Konfektionsgrößen. Wer dazwischenliegt, fährt mit der Zahlengröße besser, weil dort jede Größe einzeln verfügbar ist.
Warum passt mir bei einer Marke 2XL und bei einer anderen 4XL?
Weil beide Hersteller ihre Buchstaben unterschiedlich belegen und unterschiedliche Grundschnitte verwenden. Das ist normal und kein Fehler im Etikett. Der Vergleich der Produktmaße löst das zuverlässig.
Über die Autorin: Ramona Wallenberger ist bei RennerXXL für Größen- und Passformberatung zuständig. Sie beantwortet täglich Kundenanfragen zu Konfektionsgrößen, Kurz- und Langgrößen und gleicht Körpermaße mit unserer Artikeldatenbank ab.
Fragen zur Größe? Ruf uns an unter +49 8709 900 50 55 oder schreib an service@outdoor-renner.de. Am besten gleich mit Brust-, Bauch- und Innenbeinmaß – dann können wir Dir sofort etwas Konkretes sagen.