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30. November 2019 / Kommentare (0)

Ist PFC Bekleidung gefährlich?

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PFC ist eine Abkürzung für per- und polyfluorierte Chemikalien. Diese Stoffgruppe umfasst mehr als 800 Stoffe. Die bekanntesten und gefährlichsten Vertreter sind die Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und die Perfluoroctansäure (PFOA). PFC kommen nicht in der Natur vor, sondern werden vom Menschen hergestellt. Chemisch gesehen bestehen PFC aus Kohlenstoffketten verschiedener Längen, bei denen die Wasserstoffatome vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) durch Fluoratome ersetzt werden. Polyfluorierte können zu perfluorierten Stoffen abgebaut werden.

Ist PFC gefährlich?

So oft PFC verwendet wird, stellt sich natürlich die Frage wie gefährlich oder schädlich diese Stoffe sind.

Sie sind faktisch ebenso gefährlich. Die Textilindustrie, auch die Outdoor-Industrie, verwendet PFC (auch C8- oder C6-Chemie genannt) derzeit teilweise noch wegen ihrer wasser-, fettund schmutzabweisenden Eigenschaften. Schon bei der Herstellung gelangen die PFC in die Umwelt. Aber auch fertige Bekleidungsteile geben noch PFC ab, wie die letztjährige Untersuchung von Greenpeace gezeigt hat.

Beim Menschen reichern sich PFC wie z.B. PFOS in Blut, Leber und Niere an. Der Verdacht liegt nahe, dass Gesundheitsschäden wie Nieren- oder Blasenkrebs damit in Zusammenhang gebracht werden können.PFC auf wasserdichter Funktionskleidung und -ausrüstung. Doch es stehen nach wie vor viele Fragen im Raum.

Wie schädlich sind sie? Welche Alternativen gibt es? Und ist die Textilindustrie wirklich ein so großer Faktor, wenn es um die Verschmutzung durch diese kaum abbaubaren Substanzen geht? Die realistische Antwort auf diese Fragen fällt leider ernüchternd aus. Denn fest steht: Es ist dringend notwendig, auf diese schädlichen Chemikalien zu verzichten.

Gefährliche Substanzen in PFC Textilien

Seit einigen Saisons bereits präsentiert Greenpeace zu den Sportmessen immer wieder Zahlen über die Belastung von Outdoor-Bekleidung durch PFC. Besonders die Untergruppen PFOA und PFOS stehen im Fokus (Erklärung siehe Kasten rechts). Das gefährliche an diesen Substanzen: Gelangen sie einmal in die Umwelt, bauen sie sich kaum wieder ab und reichern sich in Gewässern, Böden und damit auch in Pflanzen und anderen Lebewesen an. Gelangen sie in den menschlichen Körper, sind Folgeerkrankungen nicht auszuschließen.

Warum wird PFC trotz Gefahr verwendet?

Doch warum waren PFC für die Ausrüstung von funktioneller Bekleidung lange so beliebt? Die vermeintlichen Vorteile liegen auf der Hand: Durch PFC weisen Textilien Wasser, Schmutz und Öl dauerhaft ab, der Sportler bleibt also zuverlässig trocken und sauber. Dass die PFC aber auch Gefahren in sich bergen können, ist mittlerweile bekannt. So wurde eine der schädlichsten Untergruppen (die PFOS) in die Stockholmer Konvention aufgenommen: eine völkerrechtlich bindende Übereinkunft über Verbots- und Beschränkungsmaßnahmen für bestimmte langlebige organische Schadstoffe. Auch der zweite häufig verwendete Stoff, PFOA, rückt nun in den Fokus, denn das Umweltbundesamt UBA hat gemeinsam mit der norwegischen Umweltbehörde beantragt, diesen als besonders besorgniserregenden Stoff gemäß der europäischen Chemikalienverordnung REACH zu kennzeichnen.

Outdoorbekleidung der Zukunft – ist PFC-frei möglich?

 

Hersteller stellen auf neue PFC Stoffe um

Mit dem Verbot dieser langkettigen Vertreter der PFC (die sogenannte C8-Chemie) werden derzeit vermehrt die kurzkettigen PFC (bis zu sechs Kohlenstoffatome, C6) als Alternative eingesetzt. Doch hier wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben. Dazu erklärt das UBA: „Neue Studien zeigen, dass flüchtige PFC aus Verbraucherprodukten entweichen und eingeatmet werden können. Der Körper wandelt diese Vorläuferverbindungen dann zu langlebigen PFC um.“

Der richtige Weg kann also nur sein, bei der Ausrüstung von wasserdichter Bekleidung komplett auf PFC zu verzichten, denn schließlich wird der Löwenanteil der weltweit verwendeten PFC von der Textilbranche verbraucht. Ein Verzicht auf alle Fluorcarbone in der Bekleidung ist also notwendig und machbar, das betont auch ein Hintergrundpapier der Europäischen Chemikalienagentur ECHA, einer Behörde der EU: „In der Sportbekleidungsindustrie geht der Trend dazu, PFOA und verwandte Substanzen auf Druck der Öffentlichkeit aus den Kollektionen zu verbannen. Eine Substitution durch fluorfreie Substanzen ist für die meisten Einsatzbereiche auch technisch möglich.“

Wasserdichte auch ohne PFC möglich

In der Tat gibt es mittlerweile einige Möglichkeiten, Bekleidung auch ohne PFC wasserdicht zu machen. Bekanntester Imprägnierer und Pionier auf diesem Gebiet ist der britische Hersteller Nikwax, dessen Chef Nik Brown schon lange auf die Gefahren durch PFC hinweist. Auch beim Textilspezialisten Schoeller sind PFC-freie Alternativen wie etwa Ecorepel im Programm. Der deutsche Membran- und Laminat-Spezialist Sympatex bietet alle wasserdichten Produkte nur noch PFC-frei an. Dass dadurch der Schutz vor Öl und Schmutz verloren geht, sieht Sympatex-Chef Rüdiger Fox nicht als Problem. Er fragt provokant: „Wie viele Ölwechsel machen wir im Himalaya?“

Dieser Meinung schließen sich immer mehr Konfektionäre an. Absolut PFC-frei sind beispielsweise die Kollektionen von Paramo und Rotauf, die das Greenpeace-C0-Abkommen unterschrieben haben. Sehr weit ist auch Outdoor-Ausrüster Vaude. Die Tettnanger geben an, dass 2017 schon 95 % der Bekleidung PFC-frei sein wird. Als nachhaltige Alternative präsentiert sich das Material CottonShell, das Wasserdichte alleine durch seine Konstruktion erreichen möchte. Und einige skandinavische Hersteller rüsten Teile ihrer Kollektion mit Imprägnierungen auf der Basis von Wachs aus.

Immer noch erschrecken hohe Zahlen

Schätzungen zufolge werden für nach Europa importierte Textilien pro Jahr rund 5.000 Tonnen PFOA und verwandte Substanzen aus der Gruppe der PFC verwendet. Andere Branchen sind da bedeutend bescheidener: Zur Herstellung von Feuerlöschschaum werden pro Jahr rund 50 Tonnen benötigt, für die Papierbehandlung 150 Tonnen und für Beschichtungen und Farben 100 Tonnen pro Jahr.

Seit der Jahrtausendwende wurden in Westeuropa, Japan und den USA die schädlichen Emissionen durch die Herstellung von PFOA bis gegen null reduziert. In Indien, Polen, China und Russland sind diese allerdings zur gleichen Zeit auf ein noch höheres Niveau gestiegen als es vorher im Westen lag. Das bedeutet nichts anderes, als dass das Problem mit PFOA lediglich aus unserem Blickfeld ans andere Ende der Welt verlagert wurde. Nach wie vor wird in Asien und im Ostblock bei der Herstellung von Funktionskleidung mit giftigem PFOA gearbeitet, das in die Umwelt gelangt und sich sogar bis in die entlegensten Regionen der Erde verbreitet.

Ist PFC Bekleidung gefährlich? Zuletzt aktualisiert: 19.06.2020 von

Last modified: 19. Juni 2020

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