Der GR 20 auf Korsika gilt als einer der härtesten Fernwanderwege Europas. 180 Kilometer, rund 12.500 Höhenmeter, 16 offizielle Etappen – und das alles auf einer Mittelmeerinsel, die viele eher mit Strand und Macchia verbinden als mit hochalpinem Trekking. Ich bin den GR20 im Sommer 2016 gegangen und schreibe hier ehrlich auf, was dich auf dieser Trekkingroute durch Korsika erwartet, wann du gehen solltest und warum ich am Ende von Süden nach Norden gelaufen bin, obwohl der Klassiker andersherum geht.
Das ist kein ReisefĂĽhrer in Hochglanz. Es ist mein Bericht: was funktioniert hat, was nicht, und worauf du dich einstellen musst, wenn du diesen korsischen Fernwanderweg auf deine Liste setzt.
Meine handschriftlichen Etappennotizen aus dem Korsika-Tagebuch 2016. So bin ich tatsächlich gegangen.
GR 20 Korsika – die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
- Länge: rund 180 km
- Höhenmeter: ca. 12.500 Hm im Aufstieg
- Etappen: 16 offizielle (klassische Begehung in 15 bis 16 Tagesetappen, manche WanderfĂĽhrer teilen in bis zu 19 auf)
- Start klassisch: Calenzana im Nordwesten (Nähe Calvi)
- Ziel klassisch: Conca im SĂĽdosten
- Höchster Punkt: rund 2.600 m an der Pointe des Eboulis unterhalb des Monte Cinto
- Refuges geöffnet (Saison 2026): 16. Mai bis 4. Oktober
- Markierung: rot-weiß auf Felsen und Bäumen
- Anforderung: Kondition, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, alpine Erfahrung
Der Weg führt quer über das korsische Hochgebirge und liegt streckenweise höher als 1.500 m. Es gibt Kletterstellen mit fixen Ketten, exponierte Grate und im Frühsommer noch Altschnee in den Nordflanken. Wer den Weg unterschätzt, bricht ihn ab – die Abbruchquote ist auch bei erfahrenen Einzelwanderern hoch.
GR 20 Nordteil und SĂĽdteil im Vergleich
Der GR 20 wird häufig in zwei sehr unterschiedliche Hälften unterteilt – das hat direkte Konsequenzen für deine Planung. Wer sich nicht den ganzen Weg zutraut, kann sich gezielt für eine der beiden Etappenfolgen entscheiden.
- Alpiner Nordteil (Calenzana bis Vizzavona): der technisch anspruchsvollste und landschaftlich dramatischste Abschnitt. Hier wechseln sich steile Kletterpassagen, schroffe Granitfelsen und tiefe Schluchten ab. Die ausgesetzten Stellen, die Schneefelder im FrĂĽhsommer und die Klettersteig-Passagen mit Ketten liegen alle im Norden.
- Moderater Südteil (Vizzavona bis Conca): physisch immer noch anstrengend, aber technisch deutlich einfacher. Mehr Waldabschnitte, sanftere Hänge, weniger ausgesetzte Stellen. Das Ende führt sanft Richtung Meer.
Wenn du dir die schwierigsten Stellen sparen, aber trotzdem ein Stück Weitwanderweg auf Korsika erleben willst, ist der Südteil ab Vizzavona der pragmatische Kompromiss. Wer Höhenangst hat oder zum ersten Mal mehrtägig im Hochgebirge unterwegs ist, sollte den Nordteil ehrlich überdenken.
Warum wir den GR 20 Korsika von SĂĽden nach Norden gegangen sind
Auch im Sommer realistisch: Altschnee im Norden des GR 20. Das war einer der HauptgrĂĽnde fĂĽr unsere Umkehrung.
Wir hatten den GR20 ursprünglich klassisch geplant: von Calenzana im Norden nach Conca im Süden. Dann kam die Wettervorhersage. Im Norden lag Anfang Juni noch viel Schnee in den Hochlagen, ein Teilstück war sogar offiziell gesperrt. Statt zu warten oder zu hoffen, haben wir am Vorabend umgeplant: Süden zuerst, Norden mit einer Woche Verzögerung. Wir haben gehofft, dass die Schneelage im Norden in dieser Zeit besser wird.
Das hat funktioniert – teilweise. Ein anderes Teilstück war später trotzdem gesperrt, und wir mussten improvisieren. Was ich daraus mitgenommen habe: Verlass dich im Juni nicht auf den Plan, den du im Mai gemacht hast. Hol dir unterwegs Updates beim Hüttenpersonal, bei anderen Wanderern, beim Naturparkbüro. Die Situation kann sich von Tag zu Tag ändern.
Süd-Nord hat zwei Nebeneffekte, die ich erst unterwegs gemerkt habe: Du startest im leichteren Südteil und arbeitest dich in den anspruchsvolleren Nordteil hinein – körperlich macht das Sinn, weil deine Form bis dahin besser ist. Und du läufst weniger Wanderern entgegen, weil die meisten den Klassiker Nord-Süd gehen.
Beste Reisezeit fĂĽr den GR 20 Korsika
Die offizielle Saison für den GR 20 richtet sich nach der Bewirtschaftung der Refuges durch den Parc Naturel Régional de Corse (PNRC). In der Saison 2026 sind die Refuges vom 16. Mai bis 4. Oktober bewirtschaftet. Außerhalb dieser Zeit bleiben sie zwar zugänglich, aber unbewacht und ohne Verpflegung. Die einzelnen Monate haben sehr unterschiedliche Charakteristiken:
- Mai bis Mitte Juni: Refuges öffnen schrittweise, längste Tage. Aber: im Norden liegt häufig noch Altschnee, manche Passagen können vereist sein, einzelne Etappen sind möglicherweise gesperrt.
- Juli und August: Hauptsaison, HĂĽtten voll, Reservierung Pflicht, im Tal kann es 35 Grad und mehr haben. Die Sonne auf den Granitfelsen ist gnadenlos.
- September: Aus meiner Sicht der beste Kompromiss. Temperaturen moderater, weniger Andrang, Wetter meist stabil.
- Anfang Oktober: Schon Spätherbst, Refuges schließen am Saisonende, Versorgung wird dünn, im Hochgebirge kann der erste Schnee fallen.
Eine wichtige historische Anmerkung zur Sicherheit: Am 10. Juni 2015 ereignete sich im Cirque de la Solitude ein tödlicher Felssturz mit sieben Toten. Die alte Route durch diesen Cirque wurde danach aufgegeben, die Kletterhilfen entfernt. Seit 2016 verläuft der GR 20 in diesem Abschnitt über eine höhere Variante zwischen Asco Stagnu und Tighjettu. Korsika hat alpinen Charakter – das ist kein Wanderweg, sondern eine Hochtour mit Bergwander-Etappen. Aktuelle Sperrungen, Wettermeldungen und Saisondaten findest du beim Parc Naturel Régional de Corse, der den Weg verwaltet.
Alle Etappen des GR 20 Korsika im Ăśberblick
Der GR 20 hat offiziell 16 Etappen. Ich bin 2016 in 15 Tagesabschnitten gegangen, weil ich die letzten beiden offiziellen Etappen (Asinao → Bavella → Paliri) zu einer Tagesetappe zusammengelegt habe. Wer mit Pausen plant, ist mit 16 Tagen besser bedient.
Zur besseren Vergleichbarkeit zeige ich die Etappen hier in der klassischen Nord-Süd-Reihenfolge, wie sie in den meisten Wanderführern steht. Wer wie ich Süd-Nord geht, liest die Tabelle einfach von unten nach oben. Die Kilometerangaben und Gehzeiten stammen aus meinem Tagebuch – die Schreibweisen der Refuges habe ich nach offiziellen Quellen korrigiert. Die Gehzeiten sind reine Bewegungszeiten ohne Pausen: plane realistisch eine bis zwei Stunden Puffer pro Etappe ein.
| Etappe | Von – Nach | Länge | Gehzeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Calenzana → Refuge d’Ortu di u Piobbu | 10,5 km | 5:30 h |
| 2 | Refuge d’Ortu di u Piobbu → Refuge de Carrozzu | 8,5 km | 3:45 h |
| 3 | Refuge de Carrozzu → Haut Asco / Altore | 4,5 km | 3:30 h |
| 4 | Haut Asco → Refuge de Tighjettu | 6,5 km | 4:45 h |
| 5 | Refuge de Tighjettu → Refuge de Ciottulu di i Mori | 6,5 km | 3:15 h |
| 6 | Refuge de Ciottulu di i Mori → Refuge de Manganu | 24 km | 7:45 h |
| 7 | Refuge de Manganu → Refuge de Petra Piana | 8,5 km | 4:15 h |
| 8 | Refuge de Petra Piana → Refuge de l’Onda | 10 km | 4:00 h |
| 9 | Refuge de l’Onda → Vizzavona | 11 km | 4:45 h |
| 10 | Vizzavona → Refuge de Capannelle | 13 km | 4:45 h |
| 11 | Refuge de Capannelle → Refuge de Prati | 17,5 km | 6:00 h |
| 12 | Refuge de Prati → Refuge d’Usciolu | 10,5 km | 4:00 h |
| 13 | Refuge d’Usciolu → Refuge d’Asinao | 16 km | 6:00 h |
| 14 | Refuge d’Asinao → Village de Bavella | 8 km | 3:00 h |
| 15 | Village de Bavella → Refuge de Paliri | 7,5 km | 2:30 h |
| 16 | Refuge de Paliri → Conca | 12,5 km | 4:00 h |
Eine ausführliche Etappenbeschreibung mit Höhenprofilen und GPS-Tracks findest du beim Wanderportal fernwege.de. In einem separaten Beitrag werde ich außerdem jede Etappe einzeln beschreiben – mit den Stellen, an denen es bei mir spannend wurde.
Übernachtung auf dem GR 20 – Refuges, Zelten und Versorgung
Entlang des GR 20 stehen bewirtschaftete Refuges (Schutzhütten) des Parc Naturel Régional de Corse. Sie bieten Matratzenlager, Mietzelte, einfache Mahlzeiten und Stellplätze für eigene Zelte. Stand 2026 ist die Reservierung für alle Formeln – Schlafplatz im Refuge, Bivouac mit eigenem Zelt und Mietzelt – verpflichtend und ausschließlich online möglich. Die Plattform öffnet jährlich Ende Januar. In der Hauptsaison sind die Plätze schnell weg, besonders in den ersten Juniwochen und der ersten Septemberwoche. Wer ohne Reservierung kommt, hat oft schlechte Karten. Die Gebühren und Buchungsmodalitäten können sich von Saison zu Saison ändern – prüfe die aktuellen Vorgaben direkt beim PNRC.
Die Versorgung in den Refuges hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Es gibt heute überall Getränke und warme Mahlzeiten. Bargeld ist Pflicht, Kartenzahlung ist auf dem GR 20 nur an wenigen Punkten möglich. Brot, Käse und Wurst kannst du in einigen Refuges direkt vor Ort kaufen, aber verlass dich nicht darauf. Trag immer Proviant für anderthalb bis zwei Tage im Rucksack mit. Auch Bergerien (Schäfereien) am Wegrand bieten teilweise Übernachtung und Verpflegung an – fragen lohnt sich.
Wasser ist auf den meisten Etappen verfügbar, aber nicht überall. Im Sommer trocknen einige Quellen aus. Plan immer mit zwei bis drei Litern pro Person und Tag, und fülle morgens an der Hütte voll auf. Wildes Biwakieren ist auf dem GR 20 strikt untersagt – Übernachtungen sind nur in einem Umkreis um die offiziellen Refuges erlaubt.
AusrĂĽstung fĂĽr den GR 20 Korsika
Der GR 20 ist eine Mehrtagestour im hochalpinen Gelände. Du brauchst keine Hochtourenausrüstung, aber alles, was du dabei hast, muss funktionieren – jeden Tag, bei jedem Wetter. Hier nur die wichtigsten Eckpunkte; eine vollständige Packliste mit allem, was bei mir tatsächlich im Rucksack war (und was wieder rausgeflogen ist), bekommst du in einem separaten Beitrag.
- Wanderschuhe: knöchelhoch, eingelaufen, mit griffiger Sohle. Auf den Granitplatten brauchst du Profil, das auch nass noch hält. Neue Schuhe sind hier ein Garantieschein für Blasen – wie du Blasen beim Wandern vermeidest, habe ich in einem separaten Beitrag detailliert beschrieben.
- Trekkingrucksack: 45 bis 60 Liter, gut sitzendes Tragesystem, Regenhülle. Über 12 Kilogramm Gesamtgewicht würde ich nicht gehen. Tipps zur richtigen Befestigung von Trekkingstöcken am Rucksack findest du in einem separaten Beitrag.
- Hardshell-Jacke: wasserdicht und atmungsaktiv. Auch im Sommer kann es im Hochgebirge umschlagen.
- Funktionswäsche und Wanderhose mit Bewegungsfreiheit – auf den Kletterpassagen mit den Ketten brauchst du Beinfreiheit. Eine zu enge Hose nervt spätestens am dritten Tag.
- Trinksystem oder Flaschen fĂĽr mindestens 2 Liter, dazu ein Wasserfilter oder Entkeimungstabletten fĂĽr unsichere Quellen.
- Wanderstöcke: entlasten Knie und Rücken auf den langen Abstiegen.
- Stirnlampe, Erste-Hilfe-Set, Sonnenschutz – Standard, aber nicht vergessen. Die Sonne auf dem Granit ist intensiv.
Ausrüstung bei kräftigerer Statur – worauf du besonders achten musst
Auf dem GR 20 trägst du jeden Tag fünf bis acht Stunden am Stück. Wenn deine Wanderhose am Bauch einschneidet, am Oberschenkel zwickt oder dir der Hüftgurt des Rucksacks gegen die Hüfte drückt, merkst du das spätestens am dritten Tag – und ab Tag fünf wird es zur echten Belastung. Wer mit kräftigerer Statur unterwegs ist, sollte daher gezielt auf drei Dinge achten:
- Wanderhose mit echter Beinfreiheit an Oberschenkel und Knie und einem Bund, der weder einschneidet noch rutscht. Stretch-Anteil im Material ist hier wertvoller als Ultraleicht-Gewicht. Bei RennerXXL findest du Outdoor- und Wanderhosen in Übergrößen – speziell die Wanderhosen mit Schnitten für kräftigere Oberschenkel sind genau auf dieses Problem ausgelegt.
- Wanderhose Damen oder Herren – kein Unisex. Frauen profitieren von einem höheren Bund und konfektionierten Hüftpartien, Männer von längeren Beinlängen. Für die GR-20-Tour empfehle ich die Wanderhosen Damen in großen Größen beziehungsweise die Outdoor- und Wanderhosen Herren in XXL.
- Regenjacke mit ausreichend Schulter- und Oberarmweite, damit der Rucksack-Gurt darüber nicht klemmt. Ärmel müssen lang genug sein, dass beim Heben des Arms keine Lücke zur Hose entsteht.
- Funktionsshirt, das nicht hochrutscht – ein zu kurzer Schnitt in Verbindung mit dem Rucksack-Hüftgurt ist eines der häufigsten Probleme im Bergsport. Die Funktionsshirts Damen in Übergrößen sind großzügiger im Bauchbereich geschnitten und rutschen deutlich seltener.
- Rucksack mit langem, verstellbarem Hüftgurt und gepolstertem Sitz an der Hüfte. Manche Rucksäcke sind ab Standard-Konfektion einfach zu kurz im Gurt, das wird auf dem GR 20 zur Tortur.
Eine vollständige Liste der von mir getragenen Produkte – inklusive Größenempfehlungen für die jeweilige Konfektion – folgt im separaten Packliste-Beitrag. Wer das erste Mal eine längere Bergtour plant, dem empfehle ich vorher meine ausführliche Übersicht zur Packliste fürs Bergsteigen – die Logik überträgt sich gut auf den GR 20.
Wie schwer ist der GR 20 Korsika wirklich?
Der GR 20 ist physisch und mental anspruchsvoll. Ehrlich gesagt: Wer regelmäßig im Mittelgebirge wandert und einmal eine Alpenüberquerung gemacht hat, kommt durch – aber nicht ohne, dass es weh tut. Wer mit dem GR 20 in die Welt der Mehrtagestouren einsteigen möchte, wird schnell merken, dass er sich zu viel zugemutet hat.
Die schwierigen Punkte aus meiner Sicht:
- Felspassagen mit Ketten zwischen Refuge de Carrozzu und Haut Asco sowie in der Region Cirque de la Solitude (umgangen über die höhere Route): hier ist Schwindelfreiheit Pflicht.
- Lange Etappen wie die 24 km von Ciottulu di i Mori nach Manganu: körperlich zermürbend, vor allem am sechsten oder siebten Tag.
- Brèche de Capitello (rund 2.225 m) zwischen Manganu und Petra Piana: einer der höchsten Punkte und je nach Wetter ausgesetzt.
- Die schiere Dauer: Zwei Wochen am StĂĽck im Gebirge, jeden Tag fĂĽnf bis acht Stunden gehen, in der HĂĽtte schlafen. Das kostet Substanz.
Im direkten Vergleich: Die E5 Alpenüberquerung von Oberstdorf bis Meran ist ein netter Spaziergang gegen den GR 20. Wer eher die Strecke und das Fernwander-Gefühl sucht, ohne dauerhaft im Hochgebirge zu sein, ist mit der Peaks of the Balkans Trail besser bedient. Und wenn du eine erste Mehrtagestour suchst, ist die Alpenüberquerung für Anfänger der bessere Einstieg.
Mentale Stärke auf dem GR 20 – das härteste war im Kopf
Was mich am GR 20 am meisten gefordert hat, war nicht die Kondition. Es war der Kopf. Ab Tag fünf oder sechs ist die anfängliche Euphorie weg. Du bist müde, deine Schultern schmerzen, die Refuges sind voll und laut, du isst zum vierten Mal dasselbe Pasta-Gericht, und vor dir liegen noch sieben Tage in der gleichen Konstellation. Ab Tag fünf kann das richtig an die Substanz gehen. Genau da entscheidet sich, ob du es bis Conca schaffst oder ob du in Vizzavona aussteigst und den Zug nimmst.
Was bei mir geholfen hat:
- Immer nur an die nächste Etappe denken, nie an die gesamte Strecke.
- In jeder HĂĽtte ein kleines Ritual: erst Wasser auffĂĽllen, dann Socken wechseln, dann hinsetzen.
- Mit anderen Wanderern reden. Niemand auf dem GR 20 ist nur stark – alle haben ihren Punkt, an dem sie zweifeln.
- Akzeptieren, dass eine Etappe richtig schlecht laufen darf, ohne dass die ganze Tour gescheitert ist.
Der GR 20 ist nicht nur eine Wanderung. Er ist eine Erfahrung darüber, wie du mit dir selbst umgehst, wenn alles weh tut und du trotzdem weiterläufst. Das war für mich am Ende der wertvollste Teil.
FAQ – häufige Fragen zum GR 20 Korsika
Wie lange braucht man fĂĽr den GR 20?
Klassisch werden 15 bis 16 Tage geplant, jeweils eine Etappe pro Tag. Sportliche Wanderer schaffen den GR 20 in 12 Tagen mit Doppeletappen. Schnellläufer rennen ihn in unter sieben Tagen – das ist aber dann keine Wanderung mehr, sondern ein Ausdauerwettbewerb. Mit Pufferzeiten für Wetter und Erholung würde ich realistisch 16 bis 18 Tage planen.
Wie viele Höhenmeter hat der GR 20?
Der gesamte GR 20 hat rund 12.500 Höhenmeter im Aufstieg, dazu ähnlich viele im Abstieg. Pro Etappe sind das durchschnittlich 800 Höhenmeter rauf und 800 Höhenmeter runter, mit einzelnen Etappen, in denen du über 1.200 Höhenmeter steigst.
Welche Etappe des GR 20 ist die schwierigste?
Subjektiv: Die lange Etappe von Ciottulu di i Mori nach Manganu mit 24 Kilometern ist die anstrengendste. Technisch am schwierigsten finde ich die Passagen zwischen Carrozzu und Haut Asco mit den Klettersteig-Stellen sowie die Brèche de Capitello zwischen Manganu und Petra Piana.
Muss man fĂĽr den GR 20 schwindelfrei sein?
Ja. Auf dem GR 20 gibt es mehrere exponierte Passagen mit Ketten über Schluchten, ausgesetzte Grate und steile Abstiege auf Granitplatten. Wer höhenängstlich ist, sollte den GR 20 ehrlich überdenken oder zumindest die Nordhälfte überspringen und nur den moderaten Südteil ab Vizzavona laufen.
Welche Schuhe fĂĽr den GR 20?
Knöchelhohe Trekkingschuhe mit fester Sohle und gutem Profil sind die sichere Wahl. Auf den polierten Granitplatten und in den Geröllfeldern brauchst du Halt. Niedrige Trailrunner sind mir auf dieser Strecke zu wenig, klassische schwere Bergstiefel zu unhandlich. Die Schuhe müssen vor der Tour eingelaufen sein – sonst hast du nach zwei Tagen Blasen, mit denen du nicht mehr weiterläufst.
Wann ist die beste Zeit fĂĽr den GR 20?
Aus meiner Erfahrung: Anfang bis Mitte September. Die Tagestemperaturen sind moderater als im Hochsommer, die Refuges sind weniger überlaufen, das Wetter ist meist stabil. Wer früh dran sein muss, wählt Ende Juni – aber mit Schneerisiko im Norden.
Wie viel Wasser braucht man auf dem GR 20?
Pro Person und Etappe zwei bis drei Liter, im Hochsommer eher mehr. Morgens in der Hütte voll auffüllen, unterwegs an verlässlichen Quellen nachfüllen. In der Hauptsaison können einzelne Quellen ausgetrocknet sein – verlass dich nicht blind auf die Karte.
Mich wĂĽrde interessieren: WĂĽrdest Du den GR 20 eher klassisch von Nord nach SĂĽd gehen – oder wie Thomas von SĂĽd nach Nord starten, um Dich langsam in den schweren Nordteil hineinzuarbeiten?
Gerade bei Schnee, Wetterumschwung und den technischen Stellen im Norden kann die Richtung viel ausmachen. Wer den GR 20 schon gegangen ist: Welche Richtung wĂĽrdest Du heute wieder wählen – und warum?