Zuletzt überarbeitet am 21. September 2026 von der RennerXXL-Redaktion.
Wenn Du Motorrad fährst, weißt Du, wie wichtig die richtige Schutzausrüstung ist. Motorradbekleidung schützt Dich vor Wind und Wetter – und im Ernstfall vor Verletzungen. In Übergrößen wird die Suche allerdings schnell mühsam: Viele Hersteller hören bei 3XL auf, und was es gibt, sitzt am Bauch oder an den Oberschenkeln nicht. In diesem Beitrag zeigen wir Dir, worauf es bei Motorradbekleidung in großen Größen, Sondergrößen, Langgrößen und Kurzgrößen wirklich ankommt, wie Du Deine Größe sauber bestimmst und wo die Grenzen der Schutzbekleidung liegen.
Eins vorweg, damit Du weißt, woran Du bei uns bist: Motorradbekleidung mit Protektoren verkaufen wir nicht. Wir sind auf Outdoor- und Funktionsbekleidung in Übergrößen spezialisiert und beraten seit 2004 zu Passform und Größen. Was wir beitragen können, ist die Größenlogik – und der Regenschutz, der über die Motorradbekleidung gehört. Alles andere hier ist Beratung ohne Hintergedanken.

Warum die Größe bei Motorradbekleidung über die Sicherheit entscheidet
Schutzbekleidung wirkt nur, wenn sie sitzt – und zwar in beide Richtungen. Ist Deine Motorradbekleidung zu weit, verrutscht sie beim Sturz und die Protektoren wandern dorthin, wo sie nichts mehr nützen. Ein Rückenprotektor, der zehn Zentimeter abrutscht, schützt den Rücken nicht. Ist sie zu eng, schränkt sie die Bewegung ein, spannt über Schulter und Knie und kann die Protektoren aus ihrer vorgesehenen Lage drücken. Beides kostet Schutz, nur auf unterschiedlichem Weg.
Bei Übergrößen kommt ein zweites Problem dazu. Die meisten Hersteller skalieren ihre Schnitte einfach hoch – mehr Breite, aber gleiche Ärmel- und Beinlängen. Das Ergebnis: Die Jacke passt am Bauch und endet an den Handgelenken zu kurz. Oder die Hose sitzt in der Weite, schlägt aber am Knöchel Falten, sodass der Knieprotektor auf halber Höhe des Schienbeins landet.
Der ADAC weist ausdrücklich darauf hin, dass man Motorradbekleidung in Ruhe anprobieren und dabei prüfen soll, ob die Protektoren sicher dort sitzen, wo sie hingehören – und dass sich der Stoff an Knie und Hüfte nicht stauen darf.
Gerhards Praxistipp: Probier die Sachen in Fahrposition an, nicht im Stehen. Setz Dich im Laden aufs Ausstellungsmotorrad, zu Hause auf einen Stuhl und nimm die Armhaltung ein. Im Sitzen rutscht die Jacke nach oben und die Hose am Bauch nach unten. Bei großen Größen entsteht dort eine Lücke, die im Stehen nicht zu sehen ist.
Welche Größe brauchst Du wirklich?
Die Konfektionsgröße aus dem Hemdenschrank hilft bei Motorradbekleidung nur bedingt weiter. Schutzbekleidung wird über Körpermaße bestimmt, nicht über Etiketten.
Bauchumfang statt Konfektionsgröße
Bei Männern mit kräftiger Körpermitte entscheidet der Bauchumfang, nicht die Brustweite. Wer nach Brustumfang bestellt, bekommt eine Jacke, die oben passt und am Reißverschluss spannt. Miss beide Werte und richte Dich nach dem größeren. Wie Du das korrekt machst, steht in unserer Anleitung zum richtigen Messen; die Umrechnung in Konfektionsgrößen findest Du in der Größentabelle für Herren samt Bauchgrößen.
Bei Damen ist die Hüfte häufig der kritische Wert. Aus unserer Größenberatung kennen wir das Muster: Wer nach Taille bestellt und an Hüfte oder Oberschenkel kräftiger gebaut ist, kommt in viele Modelle nicht hinein. Miss deshalb Taille und Hüfte und gleich beide Werte mit der Herstellertabelle ab.
Kurzgrößen und Langgrößen
Die Innenbeinlänge ist bei Motorradhosen das am meisten unterschätzte Maß. Zu lang bedeutet Stoffstau am Knöchel und einen Knieprotektor an der falschen Stelle. Zu kurz bedeutet, dass die Hose beim Sitzen über den Stiefelschaft rutscht und Wasser hineinläuft.
Echte Kurz- und Langgrößen sind bei Motorradbekleidung seltener als bei Outdoorhosen. Frag im Zweifel nach der tatsächlichen Innenbeinlänge in Zentimetern statt nach „kurz“ oder „lang“ – die Bezeichnungen bedeuten je nach Marke etwas anderes.
Schnitt, Beinlängen und Passform bei Motorradhosen behandeln wir ausführlich in einem eigenen Beitrag – dort stehen die Details, die hier den Rahmen sprengen würden: Motorrad-Textilhose in großen Größen.
Motorradbekleidung in XXL, XXXL und darüber – was der Markt hergibt
Die Auswahl in XXL ist inzwischen ordentlich, darüber wird sie spürbar dünner, und in den größten Sondergrößen ist Maßanfertigung oft die einzige verbleibende Möglichkeit. Wo genau die Grenze liegt, hängt stark vom Hersteller ab – eine allgemeine Zahl dafür gibt es nicht. Marken wie Dainese, Held, Alpinestars, Modeka, Harley Davidson und BMW führen Teile ihrer Kollektionen in großen Größen, nach unserer Beobachtung aber nicht durchgehend über alle Modellreihen. Welche Größen tatsächlich lieferbar sind, ändert sich saisonal.
Wichtiger als die Marke ist die Größenlogik dahinter: Dieselbe Etikettengröße kann bei zwei Herstellern deutlich auseinanderliegen. Verlass Dich deshalb nie auf die Größenbezeichnung, sondern immer auf die Zentimeterangaben in der Maßtabelle des jeweiligen Herstellers.
Beim Preis lohnt der Vergleich, besonders bei Vorjahresmodellen. Wie hoch der Abschlag gegenüber der UVP ausfällt, schwankt je nach Händler und Saison stark – belastbare Durchschnittswerte gibt es dafür nicht. Was wir aus unserem eigenen Geschäft kennen: In den großen Größen bleiben Restgrößen länger liegen als in den Standardgrößen, und genau dort finden sich die besseren Preise.
Textiljacke oder Lederjacke?
Eine Textiljacke ist für Tourenfahrer meist die bessere Wahl: atmungsaktiver, leichter, wetterfester und vielseitiger. Gute Modelle haben herausnehmbare Thermo- und Regeninnenjacken, verstellbare Protektoren und Belüftungsöffnungen an Brust, Rücken und Armen. Große Größen sind bei Textiljacken außerdem deutlich häufiger lieferbar als bei Leder.
Leder ist beim Abrieb weiterhin die Referenz und deshalb die klassische Wahl auf der Rennstrecke. Hochwertige Textilien mit Verstärkungen an Schulter, Ellbogen und Hüfte kommen nahe heran, wie der ADAC und die Klassenlogik der EN 17092 zeigen – aber „Textil ist genauso gut“ wäre zu einfach. Entscheidend ist, welche Schutzklasse das konkrete Teil trägt, nicht das Material allein.
Für Übergrößen spricht in der Praxis trotzdem viel für Textil: Die Weite lässt sich über Zugbänder regulieren, bei Leder nicht. Eine Lederkombi in großen Größen läuft deshalb häufig auf Maßanfertigung hinaus.
Schutzklassen und Protektoren
Seit 2020 wird Motorrad-Schutzbekleidung nach der Normenreihe EN 17092 zertifiziert. Fünf Klassen von C bis AAA geben an, wie viel Abrieb- und Aufprallschutz ein Teil bietet: EN 17092-2 steht für AAA und damit den höchsten Schutz, EN 17092-4 für die Einsteigerklasse A. Die Initiative „Runter vom Gas“ des Bundesverkehrsministeriums und des Deutschen Verkehrssicherheitsrats ordnet die Klassen ein: A ist Mindestschutz gegen Aufprall und Abrieb, AA mittlerer Schutz, AAA hoher Schutz mit den höchsten Materialanforderungen.
Die Protektoren selbst laufen unter einer eigenen Norm: EN 1621-1 für Gliedmaßen, EN 1621-2 für den Rücken. Nur Polster, die diese Normen erfüllen, dürfen überhaupt Protektor heißen.
Ein Punkt, der oft falsch wiedergegeben wird: Motorrad-Schutzbekleidung ist persönliche Schutzausrüstung und fällt unter die EU-Verordnung 2016/425. Vorgeschrieben ist damit die CE-Kennzeichnung, nicht die EN 17092. Die Norm ist ein harmonisierter Standard – wer nach ihr baut, bekommt die sogenannte Konformitätsvermutung, also den einfachen Nachweis. Ein Hersteller darf die Anforderungen grundsätzlich auch anders belegen. In der Praxis findest Du das Klassenzeichen von AAA bis C aber auf nahezu jedem Teil, das als Schutzbekleidung angeboten wird – fehlt es ganz, ist das ein Grund nachzufragen.
Gerhards Praxistipp: Eine AAA-Jacke, die schlecht sitzt, schützt schlechter als eine AA-Jacke, die passt. Nimm die Schutzklasse als Zusatzkriterium – aber entscheide zuerst über die Passform.
Verstellmöglichkeiten, die in großen Größen zählen
Je größer die Größe, desto wichtiger sind Zugbänder und Klettverschlüsse. Achte konkret auf drei Punkte: Weitenregulierung am Bauch und an den Oberarmen, eine höhenverstellbare Protektorentasche am Knie, und einen Ärmelabschluss, der weit genug für Handschuhstulpen ist. Fehlt die Höhenverstellung am Knie, ist die Hose für Dich nur brauchbar, wenn die Beinlänge zufällig passt.
Regenschutz über der Motorradbekleidung
Hier hört unsere Empfehlung zur Schutzbekleidung auf und unser eigenes Sortiment fängt an. Regenbekleidung in Übergrößen führen wir: Damen 46 bis 58, Herren bis 8XL, einzelne Modelle bis 12XL – auch in Kurz- und Langgrößen.
Auch die beste Textilkombi stößt bei Dauerregen an ihre Grenzen, und viele Fahrer nehmen deshalb eine Regenkombi zum Überziehen mit. Der ADAC beschreibt in seinem Ratgeber zu Kleidung über und unter der Motorradkombi, worauf es dabei ankommt – vor allem darauf, dass Du die Sachen auch allein und im Nassen noch anziehen kannst.
Für Übergrößen wird es an dieser Stelle schwierig. Regenkombis aus dem Motorradhandel sind nach unserer Erfahrung eher knapp geschnitten, und die Größenläufe enden dort früher als bei Outdoor-Regenbekleidung – nachprüfen lohnt sich also immer beim konkreten Modell. Bei uns findest Du wasserdichte Regenjacken für Herren in Übergrößen und Regenjacken für Damen in großen Größen, dazu Regenhosen für Herren zum Überziehen.
Beratung gewünscht? +49 8709 900 50 55 · service@outdoor-renner.de
Gerhards Praxistipp: Miss Deine Motorradbekleidung, nicht Dich. Leg Jacke und Hose flach hin, miss über der breitesten Stelle und vergleiche diesen Wert mit der Maßtabelle der Regenkombi – nicht Deinen Körperumfang. Die Kombi muss über die Bekleidung passen, samt Protektoren, und das sind schnell acht bis zehn Zentimeter mehr, als Dein eigener Umfang vermuten lässt. Welche Schnitte dabei funktionieren, haben wir hier aufgeschrieben: Motorrad-Regenhose in großen Größen.
Woran Du einen guten Anbieter für Übergrößen erkennst
Wir nennen hier bewusst keine Shopliste mehr. Sortimente, Größenläufe und Lieferbedingungen ändern sich zu schnell, als dass so eine Aufzählung ein Jahr später noch stimmen würde. Diese Kriterien halten dagegen:
- Zentimeterangaben statt Größenbezeichnungen. Wer nur „5XL“ schreibt und keine Maßtabelle mit Brust-, Bauch- und Innenbeinlänge liefert, weiß selbst nicht genau, was er verkauft.
- Erreichbare Beratung. Eine Telefonnummer, an der jemand Deine Maße einordnen kann, ist in Übergrößen mehr wert als jedes Filtermenü.
- Ehrliche Passformhinweise. „Fällt klein aus“ oder „schmal geschnitten“ im Artikeltext ist ein gutes Zeichen. Wer nie etwas Kritisches über die eigene Ware schreibt, hat es nicht anprobiert.
- Faire Rückgabe. Auch mit guter Beratung passt nicht jedes Teil. Ein knappes Rückgabefenster verlagert dieses Risiko komplett auf Dich.
- Lieferbare Größen statt gelisteter Größen. Manche Shops zeigen im Filter Größen an, die dauerhaft nicht am Lager sind. Prüf die konkrete Verfügbarkeit, bevor Du Deine Tour danach planst.
Wenn wirklich nichts passt: Maßanfertigung
In den größten Sondergrößen, bei stark abweichenden Proportionen oder bei Lederkombis führt an Maßanfertigung oft kein Weg vorbei. Spezialisierte Sattler und Lederwerkstätten fertigen nach Deinen Maßen – das kostet deutlich mehr als Konfektion und dauert mehrere Wochen. Der Vorteil: Weite und Beinlänge werden getrennt bestimmt, statt beides über eine Konfektionsgröße mitzunehmen. Ein Selbstläufer ist das nicht – auch eine Maßanfertigung muss anprobiert und nachgearbeitet werden, bis die Protektoren sitzen. Lass Dich vor Ort messen, nicht per Fragebogen, und kläre vorab, ob Nacharbeiten im Preis enthalten sind.
Checkliste für den Kauf
- Maße nehmen, bevor Du suchst. Brust, Bauch, Hüfte, Innenbein, Armlänge – mit dem Maßband, nicht geschätzt.
- In Fahrposition anprobieren. Im Stehen sitzt fast alles ordentlich – die Probleme zeigen sich erst im Sitzen mit angewinkelten Armen.
- Protektorensitz prüfen. Schulter, Ellbogen, Knie, Rücken – jeder Protektor dort, wo der Knochen ist.
- Maße vergleichen statt Größen raten. Leg Deine Werte neben die Maßtabelle des konkreten Modells. Wenn Du zwischen zwei Größen liegst oder die Tabelle unklar ist, ruf beim Händler an – dafür gibt es die Beratung. Erst wenn sich die Unsicherheit so nicht klären lässt, ist eine Auswahlbestellung sinnvoll. Zwei Größen auf Verdacht zu bestellen kostet Dich Zeit und produziert Retouren, die niemandem nützen.
- Rückgabebedingungen lesen, bevor Du bestellst, nicht danach.
- Comfort-Fit vor Slim-Fit. Du brauchst Spielraum für Zwischenschichten im Herbst.
- Auf Vorjahresmodelle achten. In großen Größen bleiben sie meist länger verfügbar, und der Preis liegt spürbar unter dem der aktuellen Kollektion.
Häufige Fragen zu Motorradbekleidung in Übergrößen
Welche Größe brauche ich, wenn ich einen kräftigen Bauch habe?
Miss Brust- und Bauchumfang und richte Dich nach dem größeren Wert. Bei kräftiger Körpermitte ist das meist der Bauch. Probier die Motorradjacke dann im Sitzen an: Der Reißverschluss muss sich ohne Zug schließen lassen und darf im Sitzen nicht spannen.
Gibt es Motorradbekleidung in XXL und XXXL?
Ja. In XXL ist die Auswahl gut, in XXXL spürbar kleiner, aber vorhanden. Darüber hängt es stark vom Hersteller ab – eine allgemeine Grenze lässt sich nicht seriös nennen, und die Größenläufe ändern sich saisonal. In den größten Sondergrößen bleibt häufig nur Maßanfertigung. Bei Damen endet das Angebot nach unserer Beobachtung meist früher als bei Herren.
Worauf müssen Frauen mit großen Größen besonders achten?
Auf die Hüfte und die Oberschenkelweite. Viele Damen-Motorradhosen sind dort eher knapp geschnitten. Wenn die Hose an der Taille passt, aber an den Oberschenkeln spannt, sitzt der Knieprotektor nicht mehr mittig – dann ist eine Größe mehr mit Zugband an der Taille meist die bessere Lösung. Welche Größe das konkret ist, klärst Du am besten über die Maßtabelle des Modells.
Gibt es Motorradhosen in Kurz- und Langgrößen?
Nur vereinzelt. Manche Hersteller bieten zwei bis drei Beinlängen an, echte Kurz- und Langgrößen wie bei Outdoorhosen sind selten. Frag nach der Innenbeinlänge in Zentimetern – die Bezeichnungen „kurz“ und „lang“ bedeuten je nach Marke etwas völlig anderes.
Passt eine Regenkombi über die Motorradbekleidung?
Ja, wenn Du sie nach der Maßtabelle auswählst und dabei Deine Motorradbekleidung misst, nicht Deinen Körper. Die Kombi muss über Jacke, Hose und Protektoren passen, das sind schnell acht bis zehn Zentimeter mehr Umfang. In der Praxis landet man damit ein bis zwei Größen über der eigenen Konfektionsgröße.
Lohnt es sich, auf Vorjahresmodelle zu warten?
Häufig ja. Wie hoch der Abschlag gegenüber der UVP ausfällt, hängt von Händler, Marke und Saison ab – feste Prozentwerte dafür gibt es nicht. Was wir aus dem eigenen Geschäft kennen: Restgrößen in den großen Größen bleiben länger stehen als Standardgrößen, und dort sind die Preise am besten. Der Schutz eines Vorjahresmodells ist derselbe, solange die Schutzklasse stimmt.
Ist zertifizierte Schutzkleidung in Deutschland Pflicht?
Für Dich als Fahrer nicht – gesetzlich vorgeschrieben ist in Deutschland nur der Helm. Für Hersteller gilt die EU-Verordnung 2016/425 über persönliche Schutzausrüstung: Motorrad-Schutzbekleidung muss CE-gekennzeichnet sein. Die EN 17092 ist dabei der übliche, aber nicht der einzig zulässige Weg, diese Anforderungen nachzuweisen. Achte auf CE-Kennzeichnung und Klassenzeichen im Etikett.





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