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24. November 2021 / Kommentare (0)

Wanderschuhe von Lowa und Meindl Pflegen & Imprägnieren

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Beim Thema Schuhpflege dreht sich derzeit alles um Winter(wander)schuhe und -stiefel. Das Obermaterial gepflegter und imprägnierter Schuhe ist geschmeidig sowie widerstandsfähig und auf Dauer atmungsaktiv sowie wasserabweisend. Ohne Pflege und Imprägnierung leidet das Material und saugt sich mit Wasser aus Schnee und Regen voll. Es macht „dicht“, sodass der Wasserdampf nicht mehr von innen nach außen treten kann. Der Fuß fühlt sich erst nass an, dann kühlt er aus.

Von außen nach innen betrachtet besteht ein Schuh aus Obermaterial, Schutzgewirk, falls vorhanden einer Membran und einer Isolationsschicht sowie einem Innenfutter. Für die Schuhpflege sind die Obermaterialien, die Membran, das Innenfutter, die Einlegesohle und das Fußbett relevant.

Obermaterialien
Winter(wander)schuhe müssen Kälte, Schmutz, Streusalz und Nässe abwehren. Leder als Obermaterial ist deshalb meist die erste Wahl. Es ist robust, langlebig, wasserabweisend sowie atmungsaktiv und es wärmt. Allerdings reagiert Leder empfindlich auf Wasser. Beim Trocknen wird es hart, steif sowie rissig und es schrumpft.

Für Winter(wander)schuhe wird vor allem Rauleder (Wild-, Velour-, Nubukleder ect.) verwendet. Das Leder ist oft so dick, dass es während der Verarbeitung in einen Narben- (Außenseite) und einen Fleischspalt (Innenseite) gespalten wird (Abb. 1).

Abb. 1: Nubukleder ist aus leicht angeschliffenem Narbenspalt und hat einen sehr feinen Flor. Velourleder kommt vom Fleischspalt und hat einen deutlich gröberen Flor.

Abb. 1: Nubukleder ist aus leicht angeschliffenem Narbenspalt und hat einen sehr feinen Flor. Velourleder kommt vom Fleischspalt und hat einen deutlich gröberen Flor.

 

Neben den reinen Lederschuhen sind auch Schuhe aus einem Materialmix auf dem Markt. Synthetische Fasern aus Polyamid werden dann mit Leder kombiniert. Daneben kommt man auch mit synthetischen Boots ohne Lederanteil durch die kalte Jahreszeit.

Membran
Manche Volllederschuhe kommen ohne Membran daher, die meisten Winterschuhe sind jedoch mit einer mikroporösen oder porenlosen Membran ausgerüstet, die für Wasserdichte sorgt. Alles Wesentliche zur „Membran im Schuh“ finden Sie in SFH 6/2014, beraten&verkauft Nr. 15.

Innenfutter und Innenschuh
Das Innenfutter kann aus Leder, (Lamm-)fell, Wolle oder synthetischem Textil sein. Synthetik trocknet am schnellsten. Leder, (Lamm-)fell und Wolle wärmen dafür besser.

Schritt 1 – Schuhpflege

Die Reinigung von Lederschuhen
Reinigt man dreckige Schuhe sofort, können auch kleinste Schmutzpartikel nicht mehr in das Leder eindringen und bei der nächsten Tour wie Schmirgelpapier auf das Leder einwirken. Außerdem trocknet Schmutz das Leder aus, es wird rissig und kann sogar brechen. Wird dabei die Membran beschädigt, bedeutet dies auch das Aus für die Wasserdichte. Vor dem Reinigen mit Wasser und einer Bürste oder einem Lappen entfernt man am besten die Schnürsenkel und nimmt die Einlegesohle heraus (Abb. 2).

Abb. 2: Im Winter löst das Wasser auch die hässlichen Salzränder, die durch das Streusalz entstehen.

Abb. 2: Im Winter löst das Wasser auch die hässlichen Salzränder, die durch das Streusalz entstehen.

 

Ist der Dreck so hartnäckig, dass ihm mit Wasser allein nicht beizukommen ist, helfen spezielle Reinigungsmittel weiter, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe Nähte und Verklebungen schonen. Es gibt sie als Reinigungsschaum aus der Spraydose oder in Gelform mit aufgesetztem Schwämmchen (Abb. 3). Raten Sie Ihren Kunden davon ab, Weichspüler oder Seife einzusetzen. Ihre Rückstände könnten die wasserabweisende und atmungsaktive Funktion des Leders und der Membran angreifen.

Abb. 3: Spezielle Reiniger befreien nicht nur von Flecken und Schmutz, sie pflegen auch das Material.

Abb. 3: Spezielle Reiniger befreien nicht nur von Flecken und Schmutz, sie pflegen auch das Material.

Bürstet man das Leder nach dem Reinigen aus, optimiert man seine Atmungsaktivität. Für Nubukleder verwendet man am besten eine Krepplamellenbürste, für Veloursleder eine Nylon- oder Messingbürste. Letztere sollte man aber nur sehr vorsichtig einsetzen.

Die Reinigung von Leder-Gewebe-Mix
Auch Schuhe mit textilen Einsätzen werden vorsichtig – das textile Gewebe darf nicht beschädigt werden – mit einer Bürste und Wasser gereinigt. Reicht Wasser nicht aus, können auch hier die bereits genannten Spezialreiniger eingesetzt werden.

Nicht vergessen: Auch das Profil muss gereinigt werden, weil z.B. Säure, Benzin oder Jauche sowohl das Sohlenmaterial als auch die Klebstoffe zersetzen.

Die Reinigung des Innenfutters, des Fußbettes, der Einlegesohlen und des Innenschuhs
In den Fußsohlen gibt es im Durchschnitt 500 Schweißdrüsen pro cm2. Schweiß ist grundsätzlich geruchlos. Wird er aber von Bakterien zersetzt, riecht er unangenehm. Dieser Geruch setzt sich auch im Fußbett, Innenfutter und -schuh fest. Um dagegen anzugehen, sollte das Innenfutter und das Fußbett mit einer Bürste oder einem Schwamm und klarem Wasser gereinigt werden. Hilft dies nichts, gibt es dafür spezielle, hautverträgliche Sprays. Nach der Behandlung müssen die Schuhe mehrere Stunden trocknen. Lederne Innenfutter sollte man ab und zu mit etwas Ledermilch einreiben, da das Salz im Schweiß das Leder austrocknet und verhärtet. Einlegesohlen kann man meist bei 30° C in der Waschmaschine oder per Hand waschen.

Schritt 2 – Schuhe trocknen lassen

Nach jeder Tour sowie nach dem Reinigen sollten die Schuhe ohne Einlegesohlen trocknen. Das kann von mehreren Stunden bis zu zwei Tagen dauern. Durchnässte Schuhe ohne Membran trocknen schneller, wenn man sie mit Zeitungspapier ausstopft. Dieses sollte man öfter wechseln, damit der Schuh nicht zu schimmeln beginnt. Bei Schuhen mit Membran dringt von außen kaum Feuchtigkeit ein und das bisschen auf dem Innenfutter trocknet ohne Papier schneller als mit (Abb. 4).

Abb. 4: Ein elektrischer Trockner beschleunigt den Prozess des Trocknens. Gleichzeitig ausgesendetes UV-Licht reduziert die Bakterien und Keime.

Abb. 4: Ein elektrischer Trockner beschleunigt den Prozess des Trocknens. Gleichzeitig ausgesendetes UV-Licht reduziert die Bakterien und Keime.

 

Der Versuch ähnliche Ergebnisse zu erzielen, indem man die nassen Schuhe an die Heizung, an einen Ofen oder unter starke Sonneneinstrahlung stellt, geht zweifelsfrei schief: Unter diesen Bedingungen „verbrennt“ Leder. Es wird spröde, trocken und rissig, der Schuh verformt sich.

Schritt 3 – Schuhe wachsen

Ist das Leder im Laufe der Zeit rau und rissig geworden, muss es gewachst werden. Leder ist ein organisches Material, das immer wieder neue Nährstoffe braucht. Bekommt es sie nicht, besteht die Gefahr, dass es an sehr beanspruchten Stellen reißt. Wachscreme aus der Dose wird entweder mit einem Tuch, einer Bürste oder mit dem Finger aufgetragen (Abb. 5).

Abb. 5: Durch den Körperkontakt wird das Wachs weicher. So gelangt es besser in alle Ecken und zieht leichter ein.

Abb. 5: Durch den Körperkontakt wird das Wachs weicher. So gelangt es besser in alle Ecken und zieht leichter ein.

 

Grundsätzlich sollte das Wachs nur dünn aufgetragen und gut in die obere Lederschicht einmassiert werden. Neben der Lederpflege verschließt das Wachs auch die Poren des Leders. Dadurch wird es wasserabweisend, Regen perlt ab. Die Poren dürfen aber nicht zugekleistert werden, denn dies ginge zulasten der Atmungsaktivität. Enthält das Wachs Silikon, sollte man es sparsamer einsetzen als z.B. reines Bienenwachs. Silikon macht das Wachs nämlich „flutschiger“, sodass es leichter in die Poren eindringt. Der Vorteil von Silikon ist, dass es aufgrund seiner imprägnierenden Wirkung besser vor Schmutz und Nässe schützt (Abb. 6).

Abb. 6: Da Wachs mit Silikonanteil leicht die Poren des Leders verschließt, weisen manche Hersteller explizit darauf hin.

Abb. 6: Da Wachs mit Silikonanteil leicht die Poren des Leders verschließt, weisen manche Hersteller explizit darauf hin.

 

Reine Wachsprodukte verändern sowohl die Farbe als auch die Haptik von Velour- oder Nubuklederschuhen. Ihre Funktionalität ändert sich dadurch aber nicht. Wer auf keinen Fall am Erscheinungsbild seiner Velour- oder Nubuklederschuhe etwas ändern möchte, darf diese nicht wachsen, sondern nur imprägnieren.

Wem die Funktion und Lebensdauer des Schuhs wichtiger als sein Aussehen ist, sollte zu Produkten mit Wachs- und Silikonanteilen greifen, die pflegen (Wachs) und imprägnieren (Silikon) (Abb. 7). Diese gibt es als Spray oder Emulsion mit aufgesetztem Schwämmchen. Die Emulsionen sind wasser- oder lösungsmittelbasiert. Die Lösungsmittelvariante erkennt man an dem Symbol der Feuergefährlichkeit auf dem Produkt. Die Ergebnisse sind bei beiden gleich. Umweltfreundlicher sind aber die wasserbasierten Produkte.

Abb. 7: Hier der Vergleich: Der linke Schuh wurde gewachst, der rechte mit einer flüssigen wasserbasierten Pflegeemulsion mit Wachs behandelt.

Abb. 7: Hier der Vergleich: Der linke Schuh wurde gewachst, der rechte mit einer flüssigen wasserbasierten Pflegeemulsion mit Wachs behandelt.

 

 

Exkurs
Sprays gibt es mit und ohne Treibgas. Dosen ohne Treibgas, die umweltfreundlicher sind, enthalten zwei Kammern, wobei die eine mit komprimierter Luft, die wie ein Treibmittel wirkt, gefüllt ist. In die zweite Kammer wird dann das entsprechende Reinigungs-, Pflege- oder Imprägniermittel gefüllt, wodurch ein Überdruck entsteht, der dafür sorgt, dass das Mittel versprüht wird.

Schritt 4 – Schuhe imprägnieren

Egal aus welchem Material der Winter(wander)schuh gefertigt ist, ob er eine Membran hat oder nicht, schon die Schuhhersteller rüsten ihre Winterschuhe mit einer hydrophoben DWR-Imprägnierung (Durable Water Repellent) aus. Die DWR sorgt dafür, dass Wassertropfen nicht in das Obermaterial eindringen können. Sie perlen ab, das Obermaterial saugt sich nicht voll. Fehlt diese Funktion, würde der Schuh nicht nur schwer, gleichzeitig könnte der Wasserdampf des Schweißes nicht mehr von innen nach außen transportiert werden. Die Atmungsaktivität ginge verloren, Ihr Kunde hätte zuerst nasse, nach kurzer Zeit auch kalte Füße.

Abb. Schuhe sollte man 24 Stunden vor einer Tour imprägnieren, erst dann entfaltet das Imprägniermittel seine volle Wirkung.

Abb. 8: Schuhe sollte man 24 Stunden vor einer Tour imprägnieren, erst dann entfaltet das Imprägniermittel seine volle Wirkung.

Da die Funktion der DWR-Ausrüstungen mit der Zeit nachlässt, sollte Ihr Kunde auch seine neu gekauften Schuhe vor der ersten Tour immer nachimprägnieren. Später sorgen Schmutz und Abrieb für ihren Verlust. Ein einfacher Test zeigt, wann eine neue Imprägnierung notwendig ist: Perlen Wassertropfen auf dem Schuh nicht mehr ab, ist es so weit.

Das Imprägniermittel legt sich im textilen Schuhgewebe um die Fasern, beim Leder dringt es in die Poren ein. In beiden Fällen wird die Oberflächenspannung des Materials herabgesetzt. Der Unterschied zur wesentlich höheren Oberflächenspannung eines Wassertropfens, sorgt dann dafür, dass der Tropfen abperlt (Abb. 8).

Hersteller raten dazu, beim Imprägnieren einen Abstand von etwa 30 cm einzuhalten. In der Praxis trifft dann nur ein Teil des Mittels den Schuh, der Rest geht in die Umwelt. Unterschreitet man die Distanz deutlich, können zwar Flecken entstehen, die Umwelt wird jedoch weniger belastet. Dieser Faktor wird umso relevanter, wenn man bedenkt, dass viele Imprägnierer mit Flourcarbonharzen arbeiten, die zu den per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) zählen.

Diese wirken zwar nicht nur wasser-, sondern auch öl- und schmutzabweisend, gelten aber auch als bioakkumulativ, d.h. sie reichern sich nach der Aufnahme im Organismus an. Manche Verbindungen sind toxisch und beeinflussen die Fortpflanzung und den Hormonhaushalt, andere sind krebserregend oder schwächen das Immunsystem bei Kindern.

Nicht abbaubar, also umweltpersistent, sind sie alle, wie der kürzlich erschienene dritte Greenpeace-Bericht „Chemie in unberührter Natur“ (Download: greenpeace.de) beweist. Forscher fanden demnach C8- und C6-PFCs in Wasser- und Schneeproben hochalpiner Regionen fernab jeglicher Zivilisation (Abb. 9).

Abb. 9: Bei ihren Expeditionen trugen die Greenpeace-Forscher ausschließlich PFC-freie Bekleidung. Ihr Fazit: „Wir waren allesamt mit unserer Ausrüstung sehr zufrieden, auch bei extremen Wetterbedingungen und auch über 5.000 Höhenmetern.“

Abb.9: Bei ihren Expeditionen trugen die Greenpeace-Forscher ausschließlich PFC-freie Bekleidung. Ihr Fazit: „Wir waren allesamt mit unserer Ausrüstung sehr zufrieden, auch bei extremen Wetterbedingungen und auch über 5.000 Höhenmetern.“

Alternativ dazu gibt es Imprägniermittel, die auf Silikon oder Paraffin beruhen. Sie sind zwar auch wasser-, aber nicht öl- und schmutzabweisend. Der Umwelt und der Gesundheit Ihrer Kunden zuliebe sollten Sie deshalb diese dahingehend sensibilisieren, dass sie sich reiflich überlegen, wie viel Performance sie bei ihrer Unternehmung brauchen und danach entscheiden, welchen Imprägnierer sie einsetzen wollen.

Schritt 5 – Tipps zur Schuhaufbewahrung

  • Trockene Schuhe bleiben mit Holz-Schuhspannern in Form.
  • Haken und Ösen schützt man mit Vaseline oder Wachs vor Korrosion.
  • Bester Aufbewahrungsort ist der Schuhkarton an einem trockenen, luftigen Ort.

Wanderschuhe von Lowa und Meindl Pflegen & Imprägnieren Zuletzt aktualisiert: 09.12.2021 von

Last modified: 9. Dezember 2021

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