Wer den GR 20 auf Korsika plant, will früher oder später wissen: Was kommt eigentlich pro Etappe auf mich zu? Wie schwer ist Tag drei wirklich? Und welche Etappe kann ich vielleicht aufteilen oder zusammenlegen? In diesem Beitrag findest du alle 16 Etappen des GR 20 mit Länge, Gehzeit, Höhenmetern, Schwierigkeitseinstufung, Charakteristik und meinen persönlichen Erfahrungen aus 2016. Der Weg teilt sich naturgemäß in einen anspruchsvollen alpinen Nordteil (Calenzana bis Vizzavona, Etappen 1–9) und einen etwas moderateren Südteil (Vizzavona bis Conca, Etappen 10–16).
Den Überblick zum gesamten Weg – warum ich Süd-Nord gegangen bin, beste Reisezeit, Reservierung, Übernachtung – habe ich im GR 20 Korsika Erfahrungsbericht beschrieben. Hier geht es ausschließlich um die Etappen selbst.
- Länge: ca. 180 km
- Höhenmeter: ca. 12.500 Hm im Aufstieg
- Etappen: 16 klassische Tagesetappen (gängige Begehung in 15 bis 16 Tagen, der Rother Wanderführer teilt in 19 auf)
- Start: Calenzana im Nordwesten | Ziel: Conca im Südosten
- Höchster regulärer Punkt: Pointe des Eboulis (2.607 m, Etappe 4)
Wie ich die Etappen bewerte
Schwierigkeit auf dem GR 20 ist keine Geschmacksfrage – sie hängt an drei klaren Faktoren: Höhenmeter pro Tag, technische Stellen (Ketten, exponierte Grate, Geröll) und reine Länge. Meine Skala:
- Leicht: unter 10 km, unter 800 Höhenmeter Aufstieg, keine technischen Stellen.
- Mittel: 10–15 km, 800–1.100 Höhenmeter, gelegentlich exponierte Stellen.
- Schwer: über 15 km oder über 1.100 Höhenmeter oder Klettersteig-Passagen mit Ketten.
- Sehr schwer: mehrere Faktoren zugleich (lang und technisch und exponiert).
Die folgenden Bewertungen sind meine subjektive Einschätzung nach der Begehung – die Skala ist eine Orientierung, keine harte Regel. Eine kurze Etappe kann mit Klettersteig-Passagen oder ausgesetzten Stellen trotzdem schwer sein. Wer geübter ist als ich, wird einzelne Etappen leichter empfinden. Wer ungeübter ist, schwerer. Plane konservativ und lies meine Hinweise zur Gehzeit beim Wandern realistisch berechnen – die Standard-Faustformeln greifen auf dem GR 20 nicht.
Die Etappen sind in der klassischen Nord-Süd-Reihenfolge beschrieben, wie sie in den meisten Wanderführern stehen. Wer wie ich Süd-Nord geht, liest einfach von unten nach oben.
GR 20 Nordteil – Etappen 1 bis 9 (Calenzana bis Vizzavona)
Der Nordteil ist die technisch und landschaftlich härteste Hälfte des GR 20. Hier liegen die Klettersteig-Passagen mit Ketten, die höchsten Punkte und im Frühsommer die meisten Schneefelder. Wer den Nordteil packt, hat die technischen Schlüsselstellen geschafft – die langen, zermürbenden Tage im Südteil kommen aber noch.
Etappe 1: Calenzana → Refuge d’Ortu di u Piobbu (10,5 km | 5:30 h)
- Aufstieg: ca. 1.270 Hm
- Schwierigkeit: Schwer
- Charakter: Schweißtreibender Macchia-Aufstieg vom Dorf in die Berge.
Der GR 20 beginnt sanft – aber nur die ersten 200 Meter. Vom Dorfbrunnen in Calenzana geht es direkt aufwärts durch trockene Macchia. Schatten gibt es kaum, dafür Sonne und Hitze. Bei der Fontaine d’Ortiventi solltest du die Wasservorräte voll auffüllen – das ist die letzte verlässliche Quelle vor dem Refuge.
Ab der Promontoire d’Arghjova auf etwa 820 m wird der Weg felsiger, manchmal sind die Hände gefragt. Wer mit vollem Rucksack und ungewohnter Hitze startet, merkt am ersten Tag schmerzhaft, was ihn die nächsten zwei Wochen erwartet.
Etappe 2: Refuge d’Ortu di u Piobbu → Refuge de Carrozzu (8,5 km | 3:45 h)
- Aufstieg: ca. 600 Hm | Abstieg: ca. 900 Hm
- Schwierigkeit: Mittel
- Charakter: Pass-Überquerung Bocca Piccaia, dann technischer Abstieg.
Heute geht es über die Bocca Piccaia auf rund 1.950 m – eine spektakuläre Pass-Überquerung mit Blick auf das ligurische Meer bei klarem Wetter. Der Abstieg zum Refuge de Carrozzu ist allerdings nichts für müde Knie: viel Geröll, einige Felsstufen, gegen Ende eine Hängebrücke (Passerelle de Spasimata), die kurz vorm Refuge schon mal Adrenalin freisetzt.
Etappe 3: Refuge de Carrozzu → Haut Asco / Altore (4,5 km | 3:30 h)
- Aufstieg: ca. 800 Hm
- Schwierigkeit: Schwer (technisch)
- Charakter: Kurze Etappe, dafür mit den ersten ernsthaften Ketten-Passagen.
Auf dem Papier eine kurze Etappe – in der Realität eine der heikelsten. Schon nach der Hängebrücke geht es steil hinauf, mit fixen Ketten an mehreren Stellen. Wer hier zum ersten Mal die Schlüsselstellen des GR 20 trifft, weiß spätestens am Ende der Etappe, ob er für die Nordhälfte richtig ausgerüstet ist. Schwindelfreiheit ist ab hier keine Empfehlung, sondern Pflicht.
Haut Asco ist eine ehemalige Skistation – kein klassisches Refuge, sondern mit Restaurant, Hotel und Refuge-Bereich. Eine gute Stelle, um Vorräte aufzustocken und Wäsche zu waschen.
Etappe 4: Haut Asco → Refuge de Tighjettu (6,5 km | 4:45 h)
- Aufstieg: ca. 800 Hm | Abstieg: ca. 550 Hm
- Schwierigkeit: Sehr schwer
- Charakter: Höchster Punkt des Weges, exponierte Variante.
Diese Etappe ist seit dem Felssturz im Cirque de la Solitude im Juni 2015 neu trassiert. Die alte Route durch den Cirque ist aufgegeben, die Kletterhilfen entfernt. Die neue Variante verläuft höher, über die Pointe des Eboulis auf rund 2.607 m – der höchste Punkt des regulären GR 20. Aktuelle Hinweise zur Variante und zu eventuellen Sperrungen findest du beim PNRC (Link oben im „Vor der Tour“-Hinweis).
Wer Zeit und Form hat, kann von dort einen Abstecher zum Monte Cinto (2.706 m, höchster Berg Korsikas) machen. Plane dafür drei zusätzliche Stunden ein. Für mich war diese Etappe der mental schwerste Punkt der gesamten Tour – Höhe, Ausgesetztheit und das Wissen um den Felssturz machten den Tag lang. Abends im Refuge de Tighjettu war ich froh, ankommen zu dürfen.
Etappe 5: Refuge de Tighjettu → Refuge de Ciottulu di i Mori (6,5 km | 3:15 h)
- Aufstieg: ca. 600 Hm
- Schwierigkeit: Mittel
- Charakter: Kurze Etappe zum höchstgelegenen Refuge des GR 20.
Auf dem Papier ein Erholungstag – nach den großen Anstrengungen der Etappen 1 bis 4 fühlt sich das auch so an. Über die Bergerie de Ballone führt der Weg ins Refuge de Ciottulu di i Mori auf 1.991 m. Das Refuge liegt direkt unter dem Paglia Orba, einem der markantesten Gipfel Korsikas – allein dieser Blick rechtfertigt die Anstrengung der vorigen Tage.
Etappe 6: Refuge de Ciottulu di i Mori → Refuge de Manganu (24 km | 7:45 h)
Lac de Nino – Pozzines, Wildpferde, Stille. Das Bild bekommst du fast überall auf dem GR 20 zu sehen, aber nirgendwo besser als hier.
- Aufstieg: ca. 700 Hm | Abstieg: ca. 1.100 Hm
- Schwierigkeit: Sehr schwer (Länge)
- Charakter: Die längste Etappe des GR 20 – sanft, lang, mit dem schönsten Plateau des Weges.
24 Kilometer in einem Tag. Das ist auf dem GR 20 keine Etappe, das ist ein Marathon. Technisch ist sie verglichen mit dem Norden harmlos – das PNRC-Personal nennt sie „roulante“, also rollig. Aber die schiere Länge zermürbt am sechsten Tag den letzten Rest mentaler Reserve.
Belohnt wirst du mit dem Lac de Nino auf 1.743 m: eines der bekanntesten Bilder von Korsika mit seinen Pozzines (Mini-Wiesen-Lagunen) und den frei laufenden Wildpferden. Wer hier nicht eine halbe Stunde Pause macht und einfach sitzt, lässt sich das Beste der Etappe entgehen.
Etappe 7: Refuge de Manganu → Refuge de Petra Piana (8,5 km | 4:15 h)
- Aufstieg: ca. 800 Hm | Abstieg: ca. 550 Hm
- Schwierigkeit: Schwer
- Charakter: Brèche de Capitello (2.225 m) – einer der spektakulärsten Punkte des Weges.
Diese Etappe ist im klassischen Sinn die schönste des GR 20. Vom Refuge de Manganu geht es hinauf zur Bocca alle Porte und weiter zur Brèche de Capitello auf 2.225 m. Von dort schaust du fast senkrecht hinunter auf die beiden Bergseen Lac de Melo und Lac de Capitello – ein Bild, das hängenbleibt.
Der Aufstieg ist steil und kann je nach Saison Schneefelder enthalten. Vom Capitello-Pass führt der Weg über Granitplatten ins Refuge de Petra Piana – auch hier zählt Trittsicherheit mehr als Schnelligkeit.
Etappe 8: Refuge de Petra Piana → Refuge de l’Onda (10 km | 4:00 h)
- Aufstieg: ca. 400 Hm | Abstieg: ca. 800 Hm
- Schwierigkeit: Mittel
- Charakter: Zwei Varianten – Hauptweg durch das Tal oder Crête (Grat) für Geübte.
Eine Etappe mit Wahl: Der reguläre GR 20 führt durch das Manganello-Tal, die anspruchsvollere Variante über den Grat zwischen Petra Piana und l’Onda. Wer noch Form hat und das Wetter mitspielt, sollte die Crête nehmen – der Blick auf den Monte d’Oro ist auf der Variante einer der besten der ganzen Tour.
Etappe 9: Refuge de l’Onda → Vizzavona (11 km | 4:45 h)
- Aufstieg: ca. 300 Hm | Abstieg: ca. 1.000 Hm
- Schwierigkeit: Mittel (knie-belastend)
- Charakter: Lange Abstiegsetappe durch Buchenwald, Ankunft in der Zivilisation.
Vizzavona ist der psychologische Halbpunkt des GR 20. Hier endet der harte Nordteil. Es gibt einen Bahnhof, Hotels, ein kleines Geschäft – und für viele Wanderer das erste Schnitzel seit acht Tagen. Der Abstieg vom Refuge de l’Onda ist lang und zieht sich, der Buchenwald bietet aber endlich Schatten.
Wer einen Ruhetag einlegen will, tut es hier. Wer aufgibt, steigt hier in den Zug nach Bastia oder Ajaccio. Beides ist völlig legitim – nicht jeder muss bis Conca.
GR 20 Südteil – Etappen 10 bis 16 (Vizzavona bis Conca)
Der Südteil ist physisch kaum leichter als der Nordteil, technisch aber deutlich entspannter. Es gibt weniger Klettersteig-Passagen, mehr Wald, mehr Bergseen zum Baden – und ein paar lange Etappen, die noch einmal an die Substanz gehen. Wenn du den Norden überstanden hast, schaffst du auch den Süden.
Etappe 10: Vizzavona → Refuge de Capannelle (13 km | 4:45 h)
- Aufstieg: ca. 800 Hm | Abstieg: ca. 100 Hm
- Schwierigkeit: Mittel
- Charakter: Sanfter Aufstieg aus dem Tal in das Hochland des Südens.
Eine versöhnliche Etappe nach dem Vizzavona-Tag. Es geht stetig aufwärts, viel durch lichten Wald und Buchenbestände. Das Refuge de Capannelle liegt in einer ehemaligen Skigegend, die Versorgung ist gut, die Atmosphäre entspannter als in den hochalpinen Hütten des Nordens.
Etappe 11: Refuge de Capannelle → Refuge de Prati (17,5 km | 6:00 h)
- Aufstieg: ca. 800 Hm | Abstieg: ca. 600 Hm
- Schwierigkeit: Schwer (Länge)
- Charakter: Lange Übergangsetappe, viel auf Höhe.
Diese Etappe hat es trotz mäßiger Höhenmeter in sich – schlicht weil sie lang ist. Wer die Etappe 6 (24 km) gut überstanden hat, weiß was kommt. Wer dort am Limit war, sollte die Etappe in zwei Teile splitten und an einer der Bergerien zwischendrin übernachten, sofern Plätze frei sind.
Etappe 12: Refuge de Prati → Refuge d’Usciolu (10,5 km | 4:00 h)
- Aufstieg: ca. 700 Hm | Abstieg: ca. 600 Hm
- Schwierigkeit: Mittel
- Charakter: Gratwanderung, lange aussichtsreich, gelegentlich exponiert.
Eine der landschaftlich schönsten Etappen des Südens. Der Weg verläuft über lange Strecken auf einem Grat mit Blick auf beide Seiten der Insel. Bei schlechtem Wetter ist die Etappe unangenehm, bei klarer Sicht eine der besten Erinnerungen.
Etappe 13: Refuge d’Usciolu → Refuge d’Asinao (16 km | 6:00 h)
- Aufstieg: ca. 600 Hm | Abstieg: ca. 700 Hm
- Schwierigkeit: Schwer (Länge)
- Charakter: Lange Etappe, erste Sicht auf die Aiguilles de Bavella.
Diese Etappe ist lang, aber abwechslungsreich – im Verlauf des Tages tauchen erstmals die Aiguilles de Bavella am Horizont auf, die Granitnadeln, die das Wahrzeichen des südlichen GR 20 sind. Wenn du nach acht Stunden Gehen am Refuge d’Asinao ankommst und ein Naturpool in der Nähe ist – nutze ihn. Du wirst nie wieder so dankbar für kaltes Wasser sein.
Etappe 14: Refuge d’Asinao → Village de Bavella (8 km | 3:00 h)
- Aufstieg: ca. 300 Hm | Abstieg: ca. 600 Hm
- Schwierigkeit: Mittel (Alpine-Variante: schwer)
- Charakter: Kurze Etappe ins Herz des Bavella-Massivs.
Hier gibt es zwei Varianten: die reguläre Strecke und die anspruchsvolle „Variante Alpine“ durch die Aiguilles selbst. Letztere ist mit Ketten gesichert, technisch anspruchsvoll und nichts für Wanderer mit schwerem Rucksack oder müden Beinen am 14. Tag. Die reguläre Strecke führt sanfter durch das Massiv und endet im Village de Bavella – einem kleinen Ort mit Bars, Restaurants und für viele dem schönsten Ausblick der gesamten Tour.
Hinweis zur Etappen-Zählung: Manche Wanderer legen die Etappen 14 und 15 zu einer Tagesetappe zusammen und gehen direkt von Asinao über Bavella bis Paliri (rund 15,5 km). Das hatte ich 2016 so gemacht – in meinem oben verlinkten Erfahrungsbericht findest du daher 15 statt 16 Tagesabschnitte. Wer Bavella aber wirklich erleben will, sollte den getrennten Tag investieren.
Etappe 15: Village de Bavella → Refuge de Paliri (7,5 km | 2:30 h)
- Aufstieg: ca. 200 Hm | Abstieg: ca. 400 Hm
- Schwierigkeit: Leicht
- Charakter: Kürzeste Etappe des GR 20, mediterrane Macchia.
Die mit Abstand kürzeste und leichteste Etappe des GR 20. Nach den langen Tagen ist sie wie ein Spaziergang. Das Bavella-Massiv liegt jetzt im Rücken, vor dir mediterrane Macchia und der Geruch von Trockenkräutern. Viele Wanderer kombinieren diese Etappe mit der Schluss-Etappe 16 – wer Bavella einen ganzen Tag erleben will, übernachtet noch im Refuge de Paliri.
Etappe 16: Refuge de Paliri → Conca (12,5 km | 4:00 h)
- Aufstieg: ca. 200 Hm | Abstieg: ca. 800 Hm
- Schwierigkeit: Mittel (lang, aber bergab)
- Charakter: Der letzte Abstieg, Macchia, Meer in Sicht.
Die Schluss-Etappe ist emotional die schwerste – nicht weil sie technisch anspruchsvoll wäre, sondern weil dir bewusst wird, was du gerade geschafft hast. Es geht überwiegend bergab durch trockene Macchia, im Hochsommer brutal heiß. In Conca selbst gibt es eine Bar mit dem Wegweiser „GR 20 – Calenzana 180 km“ – das Foto vor diesem Schild ist Pflicht.
Vom Dorf Conca aus fahren Shuttlebusse nach Sainte-Lucie-de-Porto-Vecchio, von dort weiter mit dem Bus an die Strände bei Porto-Vecchio. Mein Plan: zwei Tage Strand, dann Heimfahrt. Das war eine gute Entscheidung.
Die schwierigsten Etappen auf dem GR 20
Wenn dich nur eine Frage zum GR 20 wirklich interessiert – „Was kommt da auf mich zu?“ – dann lautet meine ehrliche Antwort: Etappe 4 und Etappe 6. Beide sind aus völlig unterschiedlichen Gründen sehr schwer:
- Etappe 4 (Haut Asco → Tighjettu): Höchster Punkt des regulären Wegs, exponierte Variante, mental schwer wegen des Felssturz-Wissens.
- Etappe 6 (Ciottulu → Manganu): 24 Kilometer am Stück, technisch harmlos, aber zermürbend lang.
Daneben sind die Etappen 3, 7, 11 und 13 ebenfalls als schwer einzustufen – die Etappe 3 wegen der Ketten, Etappe 7 wegen der Brèche de Capitello, die Etappen 11 und 13 wegen ihrer Länge.
Die schönsten Etappen auf dem GR 20
Schönheit ist auf dem GR 20 keine knappe Ressource – fast jede Etappe hat einen Moment, der hängenbleibt. Drei Etappen sind aus meiner Sicht aber die landschaftlichen Höhepunkte:
- Etappe 6 mit dem Lac de Nino: Pozzines, Wildpferde, Stille – das Korsika-Bild schlechthin.
- Etappe 7 mit der Brèche de Capitello: Blick auf Lac de Melo und Lac de Capitello, fast senkrecht hinunter.
- Etappe 14 ins Bavella-Massiv: Die Granitnadeln, die das Wahrzeichen des südlichen Korsika sind.
GR 20 in weniger als 16 Tagen – die wichtigsten Zeit-Varianten
Nicht jeder hat zweieinhalb Wochen Urlaub am Stück. Aus meiner Erfahrung sind das die realistischen Varianten, mit denen du den GR 20 in unterschiedlichen Zeitfenstern angehen kannst:
- GR 20 in 16 Tagen (klassisch): Eine Etappe pro Tag, kein Pufferzeitraum. Funktioniert nur, wenn du körperlich gut vorbereitet bist und das Wetter mitspielt.
- GR 20 in 18 Tagen (mit Puffer): Meine Empfehlung. Du teilst die 24-km-Etappe 6 in zwei Tage und behältst einen weiteren Tag als Reserve für Wetter oder Erholung. So bist du nie unter Druck.
- GR 20 in 15 Tagen (so wie ich): Du legst die Etappen 14 und 15 (Asinao → Bavella → Paliri) zu einer Tagesetappe zusammen. Das spart einen Tag, ohne dass es technisch heikel wird.
- GR 20 in 12 Tagen (sportlich): Mit Doppeletappen für trainierte Wanderer. Sinnvoll vor allem im Südteil zwischen Capannelle und Asinao, wo sich Etappen kombinieren lassen.
- Nur Nordteil in 9 Tagen: Calenzana bis Vizzavona, danach mit dem Zug zurück. Du hast alle technischen Schlüsselstellen und die höchsten Punkte mitgenommen.
- Nur Südteil in 7 Tagen: Mit dem Zug nach Vizzavona, dort starten, in Conca fertig werden. Mein Tipp für alle, denen der Nordteil zu heikel ist.
Kann man Etappen auslassen oder verkürzen?
Ja – wenn du ehrlich mit dir bist und die Logistik vorher klärst:
- Etappe 6 in zwei Teile splitten: Zwischenübernachtung am Lac de Nino oder bei den Bergerien de Vaccaghja, falls Plätze frei sind.
- Etappe 14 mit Alpine-Variante ersetzen: Wer noch Form hat und Klettersteig-erfahren ist, sollte die Variante Alpine durch die Aiguilles gehen – das ist die spektakulärste Stelle des Süd-GR-20.
- Etappe 9 strecken: Bei Knieproblemen lässt sich der lange Abstieg nach Vizzavona aufteilen, wenn auf dem Weg eine bewirtschaftete Bergerie mit Übernachtungsmöglichkeit frei ist – das ist saisonal unterschiedlich, bitte vorher beim PNRC oder direkt vor Ort erfragen.
Eine ausführliche Etappenbeschreibung mit Höhenprofilen und GPS-Tracks findest du beim Wanderportal fernwege.de.
Ausrüstung für die langen Etappen
Wer Etappen wie die 24-Kilometer-Strecke von Ciottulu nach Manganu unterschätzt, riskiert mehr als müde Beine. Auf langen Tagen entscheidet die Passform der Hose mehr als jede andere Ausrüstungsfrage. Wer kräftige Statur hat oder eine größere Beinlänge als der Konfektionsdurchschnitt, sollte rechtzeitig in Langgrößen suchen – Hosen, die zu kurz sind, ziehen am Knie und drücken am Bund.
Bei RennerXXL findest du speziell für die GR-20-Anforderungen passende Wanderhosen Damen in Langgrößen sowie Wanderhosen Herren in Langgrößen. Wer Probleme mit Bein-Innenlängen oder Oberschenkelweite kennt, schaut sich die Wanderhosen mit Schnitten für kräftigere Oberschenkel an. Die vollständige Packliste mit allen empfohlenen Produkten – Schuhe, Rucksack, Hardshell-Jacke, Inlett – behandle ich in einem separaten Beitrag, der demnächst erscheint.
FAQ – häufige Fragen zu den GR 20 Etappen
Wie viele Etappen hat der GR 20 auf Korsika?
Der GR 20 wird klassisch in 16 Tagesetappen gegliedert, von Calenzana im Norden bis Conca im Süden. Manche Wanderführer teilen den Weg in 15 oder 19 Etappen auf – das hängt davon ab, ob bestimmte Tagesabschnitte zusammengelegt oder zusätzlich aufgeteilt werden.
Welche Etappe ist die schwierigste auf dem GR 20?
Subjektiv: Etappe 4 (Haut Asco → Tighjettu) mit dem höchsten Punkt und der exponierten Variante seit 2015, sowie Etappe 6 (Ciottulu → Manganu) mit ihren 24 Kilometern. Welche der beiden härter ist, hängt davon ab, ob dir technische Stellen oder reine Länge mehr zusetzen.
Welche Etappe ist die schönste auf dem GR 20?
Aus meiner Sicht Etappe 7 mit der Brèche de Capitello und dem Blick auf Lac de Melo und Lac de Capitello. Knapp dahinter Etappe 6 mit dem Lac de Nino und den Wildpferden, sowie Etappe 14 mit dem Bavella-Massiv.
Wie lange ist die kürzeste Etappe des GR 20?
Die Etappe 15 von Bavella zum Refuge de Paliri ist mit 7,5 Kilometern und etwa 2:30 Stunden Gehzeit die kürzeste und leichteste Etappe des gesamten Weges.
Wie lange ist die längste Etappe des GR 20?
Etappe 6 von Refuge de Ciottulu di i Mori zum Refuge de Manganu mit 24 Kilometern und etwa 7:45 Stunden Gehzeit. Die meisten Wanderer brauchen mit Pausen über neun Stunden.
Kann man den GR 20 in zwei Hälften gehen?
Ja. Die natürliche Trennstelle ist Vizzavona mit Bahnanschluss. Wer den Nordteil (Etappen 1–9) macht, hat alle technischen Schlüsselstellen und die höchsten Punkte erlebt. Wer nur den Südteil (Etappen 10–16) geht, hat die landschaftlich oft als schöner empfundene Hälfte ohne die heikelsten Kletterstellen.
Welche Etappe kann man weglassen oder verkürzen?
Etappe 6 lässt sich am sinnvollsten splitten – mit Zwischenübernachtung am Lac de Nino oder bei den Bergerien de Vaccaghja. Wer mit Knieproblemen kämpft, kann Etappe 9 (Abstieg nach Vizzavona) aufteilen, wenn auf dem Weg eine bewirtschaftete Bergerie frei ist – das ist saisonal unterschiedlich.
Spannende Frage aus Händlersicht: Was ist auf dem GR 20 am Ende belastender – die technischen Stellen mit Ketten und Ausgesetztheit, oder die langen Etappen, bei denen irgendwann Hose, Schuhe, Rucksack und Jacke nerven?
Wer den GR 20 schon gegangen ist: Welche Etappe war für Euch die härteste – und lag es eher an der Strecke oder an der Ausrüstung?