Outwell 2011- Indian Lake Tipi

Outwell Magic Side Extension – die neuen Zelte

23. November 2010 Comments (2) Allgemein, Erfahrungsberichte, Outdoor und Sport

Outdoor-Zelte 2011: Technik auf engstem Raum

Zelte waren auf der diesjährigen OutDoor in Friedrichshafen wieder ein wesentlicher Bestandteil der Messe. Zum ersten Mal befindet sich die Zeltstadt in der Rothaushalle, weil dort mehr Platz zur Verfügung steht. Wir haben uns auf dem Markt umgesehen und Wissenswertes zusammengetragen

Rund 10.000 Quadratmeter groß ist die diesjährige Zeltstadt auf der OutDoor – so viel wie nie zuvor in der Geschichte der Friedrichshafener Messe. Dem Zelt scheint es gut zu gehen.

Tunnelzelt – Robens Triple

Das Produkt wird immer leichter; ein Leichtgewichtszelt für zwei Erwachsene wiegt selten noch zwei Kilogramm. Gleichzeitig wird dieses Produkt immer funktioneller. Egal, ob Leichtgewichts-, Trekking-, Geodät-, Kuppel- oder Tunnelzelt.

Technik ohne Ende

Zahlreiche Kriterien müssen die Hersteller bei der Entwicklung beachten: Beschichtung und Material der Innen- und Außenzelte (PU-Beschichtung contra reißfestem, UV-sicherem, dafür umso teurerem Silikon), Stabilität bis mindestens Windstärke 8 (das entspricht einer Windgeschwindigkeit von rund 70 krn/h), die Belüftung eines Zeltes, nutzbare Liegelänge, die Wassersäule (als Richtwert gelten für das Außenzeit >3.000 mm und für den Boden >5.000 mm) und so weiter und so fort.

Außerdem sollte die Bodenwanne mindestens acht Zentimeter an den Zeltseiten hochgezogen werden, die Zeltstangen sind ein Thema für sich. Immerhin machen diese rund 40 Prozent des Gesamtpreises aus. Gute Stangen sind aus eloxiertem Aluminium, das schützt vor Korrosion.

Ein Packmaß für ein Leichtgewichtszelt für Zwei von 40 mal 10 Zentimetern ist keine Ausnahme mehr. Das ist nur ein kurzer und unvollständiger Überblick über die technischen Finessen, die die Hersteller in ihre Zelte integrieren müssen, wollen sie den Anforderungen des Marktes einigermaßen gerecht werden.

Eine weitere wesentliche Herausforderung für die Industrie besteht nun darin, das Ganze so zu konstruieren, dass der Endkunde möglichst wenig Mühe beim Aufbau hat. Denn dies ist ein entscheidendes Argument für den Kauf des Produktes.

Herzblut erforderlich

Bei diesem hochfunktionellen Produkt ist es klar, dass einem Kauf ein intensives Beratungsgespräch vorangehen muss.

Dies bedeutet nicht nur, dass der Verkäufer Zeit investieren sollte, gleichzeitig muss er sich unbedingt bestens mit dem Produkt auskennen. So etwa kommen ratende Töne aus dem Hause The North Face: “Ein gutes Zelt sollte nur von gut ausgebildeten und motivierten Fachverkäufern verkauft werden. Hier ist Herzblut, Erfahrung und Kompetenz unbedingt erforderlich!”

Fast identisch ist der Tipp von Tatonka: “Wenn es um hochwertige Trekkingzelte geht, sollte ein Händler mindestens eine Person im Verkaufsteam haben, die mit Herzblut bei der Sache ist. Denn sind wir ehrlich: Wirtschaftlich interessant wird der Produktbereich für sich genommen nur dann, wenn überdurchschnittliches Engagement investiert wird.” Einem Outdoor- oder Sportfachhändler, der erwägt, Zelte in sein Warensortiment aufzunehmen, rät der Outdoorriese Jack Wolfskin: “Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass es sich hierbei primär um ein saisonales Produkt handelt, welches sowohl den damit einhergehenden Kaufschwankungen unterliegt, als auch einer qualitativ sehr hohen Fachberatung für den Kunden bedarf.”

Der Freiheit ein Stück näher

Nach Meinung von Alex Koska, Geschäftsführer von Fjällräven Deutschland, schafft eine gute Zeltauswahl Vertrauen beim Kunden (“Der Kunde kauft quasi die Katze im Sack.”). Obwohl der Händler wissen müsse, “dass Zelte als schnelle Cash-Cow sicher nicht das Richtige sind.” Allerdings könne eine Zeltauswahl das Alleinstellungsmerkmal zum Konkurrenten um die Ecke bilden. Für Rejka-Gründer Reiner Kanzewitsch gehört ein Zelt zur Basisausrüstung, wenn man Outdoor ernsthaft verkaufen möchte.

“Mit einem Zelt kann man dem Kunden ein Stück Freiheit näher bringen”, sagt er. Das Zelt als Symbol der Freiheit, das dementsprechend im Laden präsentiert werden muss. Insofern wäre ein Zelt das perfekte Produkt für jeden Outdoor- oder Sportfachhändler, lassen sich mit ihm doch gleichzeitig Emotionen und Träume verkaufen.

Robustheit und Stabilität

Fjällräven präsentiert auf der OutDoor-Messe unter anderem seine Leichtgewichtsreihe Abisko. Denn diese Kollektion sei der beste Kompromiss aus komfortablem Platzangebot, Windstabilität und niedrigem Gewicht. Obwohl man auch kritische Töne aus dem Hause Fjällräven vernimmt:

Immer leichter, immer kleiner – irgendwann stößt jedes Produkt an seine Grenzen. “Das sind zwar wichtige Kriterien, sollten jedoch nie das einzige und erste Augenmerk beim Kauf sein”, warnt Fjällräven Deutschland-Chef Koska, “in unserer aktuellen Zeltkollektion haben wir großen Wert auf ein komfortables Raumangebot, Robustheit und niedriges Gewicht gelegt – wobei es einfach eine Grenze gibt, ab der man zuviel Robustheit opfert.” Deshalb nimmt Fjällräven bewusst ein paar Gramm mehr in Kauf. Koska: “Robustes Material und ein zusätzlicher Gestängebogen für mehr Platz wiegen zwar etwas mehr, dafür hält eine gute Behausung auch bei Windstärke 10 und Starkregen stand.” – und folgt damit nicht bedingungslos dem Trend, den viele Hersteller als einen solchen erkannt haben.

The North Face legt bei seiner Zeltkollektion 2011 ebenso großen Wert auf Stabilität: Leichtgewichtszelte sollten trotz allem Zwang zum Weglassen dennoch robuste Konstruktionen sein. Wasserdichtigkeit, stabile Gestänge und eine gute Belüftung sind der Schlüssel für einen dauerhaften Erfolg der Konstruktion.”

Mehr Raum und Komfort

Ansonsten neu: Salewa setzt verstärkt auf verklebte Details, um Gewicht zu sparen. Auch durch die Verwendung neuer Materialien, die ebenso stabil und robust sind, gelingt laut Bernhard Schnaus, Produktmanager für Zelte und Schlafsäcke, die Gewichtsreduzierung “sehr gut”.

Ansonsten konzentriert sich das Unternehmen bei den Zelten für Frühjahr/Sommer 2011 auf Anwenderfreundlichkeit, ausreichend Liegefläche, Windstabilität und genügend Stauraum. Letzter Punkt ist dem niederländischen Zeltehersteller Eureka, der auf 900 Quadratmetern in der Zeltstadt der OutOoor ausstellt, ebenfalls wichtig.

Eureka hat sich in der Kollektion 2011 verstärkt auf Leichtgewichtszelte mit viel Innenraum konzentriert, ebenso Vaude:

Der Tettnanger Outdoorhersteller legt bei seiner ZeItkollektion nach Aussage von Matthias Kimmerle, Bereichsleiter Zelte, großen Wert auf “superultraleichte, geräumige Zelte” für Trekking- und Bergtouren, die mit der so genannten Silicone Seam Seal-Technologie gefertigt wurden. Außerdem erwähnt Kimmerle den nicht zu unterschätzenden Aspekt der UV-Beständigkeit. Dies gilt nicht nur für Zelte, die im Gebirge zum Einsatz kommen.

Mountain Hardware Zelte 2011

Mountain Hardwear entwickelte seine Zelte für 2011 unter dem Motto: “Je leichter das Zelt, desto komfortabler das Outdoorerlebnis.” Allerdings sieht Mountain Hardwear-Mensch Chris Hilliard auch: “Ein schlechter und unstabiler Unterschlupf kann einem den Aufenthalt in freier Natur ganz schön vermiesen.”

Die amerikanische Outdoormarke stellt in der Zeltstadt alle Modelle aus, am Stand direkt konzentriert man sich auf drei Modelle: das EV2, Raven 2 und das neue Lightwedge 2. Beim Thema Geräumigkeit hat auch The North Face nachgelegt und präsentiert zur OutOoor das Geodätzelt “Mountain 35”.

Es hat unter anderem ein doppeltsilikonisiertes Außenzeit aus Ripstopnylon, das laut TNF speziell für den europäischen Markt entwickelt wurde. Viele Hersteller sehen in der steigenden Nachfrage nach Komfort im Zelt einen wichtigen Punkt. Tatonka-Verkaufsleiter Thomas Daniel: “Zunehmend interessieren Raumangebot und Komfortfeatures.” Jack Wolfskin ist sich sicher:

“Neben einem hohen Wetterschutz und einer einfachen Bedienbarkeit im Aufbau sollte ein Zelt auch komfortabel sein.” In letzter Instanz gebe Jack Wolfskin dem Komfort gegenüber der Leichtigkeit eindeutig den Vorrang. Auch Rejka-Gründer Kanzewitsch sagt:

“Es ist ein Trend zum Komfort zu beobachten. Die Nachfrage nach Drei-Personen-Zelten für Zwei steigt stetig.” Der Zelthersteller aus dem oberfränki- schen Coburg definiert Komfort unter anderem als eine zweckmäßige Belüftung.

Bei Zelten, bei denen das Gewicht keine entscheidende Rolle spielt, haben große und funktionelle Lüftungen Priorität. Ein Produkt, dass die Komponenten Komfort und Leichtigkeit vereint, präsentiert Rejka auf der OutDoor mit dem 2,8 Kilogramm-Zelt .Antao 111″.

Golite Zeltprogramm 2011

Golite präsentiert ebenfalls gewichtsreduzierte Zelte. Das britische Unternehmen legt bei der kommenden Kollektionen außer der Leichtigkeit gesteigerten Wert auf die Kombination von Einfachheit im Gebrauch, Raum und Performance. Das ständig steigende Interesse der Menschen am Draußensein habe einen großen Bedarf an Zelten zur Folge.

Golite hat deshalb speziell für den europäischen Markt das Model Eden entwickelt, das neben den Arcadia und Valhalla-Modellen in der Zeltstadt präsentiert wird. Bei Tatonka sieht man das Trend-Thema bei Leichtgewichtszelten so:

“Echte Trends sind in diesem Produktbereich kaum noch auszumachen. Die sinnvollen Formen sind gefunden, die Erfolgsfaktoren heißen Produktqualität und Feinschliff im Detail.”

Gelert Zelte – Gutes Zelt für wenig Geld

Gelert Solo - günstiges Einmannzelt

Gelert Solo – günstiges Einmannzelt

Gelert kommt mit Trekking- und Leichtgewichtszelten mit “einem guten Preis/Leistungsverhältnis für Neueinsteiger”, sagt Michael Wolf vom Gelert-Vertrieb, “wir bieten Ein- und Zwei-Personen-Zelte mit Fieberglasgestänge sowie Zwei-, Drei- und Vier-Personen-Zelte mit Alugestänge in einem Preisseg- ment zwischen 50 und 180 Euro.”

Auch The North Face hat auf ein niedriges Preisseg ment für Einsteiger Wert gelegt:

Die Exploration-Linie richtet sich an den Kunden, der für kleines Geld ein gutes Zelt haben möchte. “Das Rock 2-Modell ist schon ab 230 Euro zu haben”, sagt Michael Austermühle, Country Sales Manager TNF Deutschland. Stolz ist er auf eine .,echte Innovation” im Bereich einwandige Zelte 2011:

“Wir haben Dry Wall entwickelt: ein äußerst leichtes, atmungsaktives, extrem reißfestes und feuerhemmendes Material.” Dry Wall wurde in den beiden Modellen Assault 2 (Alpines Extremzelt) und dem Sputnik 2 (Ultralight Trekkingzelt) verwendet.

Fazit: Mehr Emotionen!

Nur Rejka geht beim Thema Zelte auf Emotionen ein. Das verwundert, denn gerade das Zelt kann viele Erinnerungen und Vorstellungen beim Endverbraucher auslösen. Selbst- verständlich haben die Zelt-Produzenten die Aufgabe, alle mögliche Technik in diesem Produkt zu verarbeiten. Deswegen ist es nachvollziehbar, dass sie sachlich und rational argumentieren.

Allerdings besteht gerade beim Zelt die Möglichkeit, das so oft von den Händlern vermisste und herbeigesehnte Gefühl zu thematisieren. Denn ein Zelt ist kein Produkt wie ein Laufschuh oder ein Ball. Ein Zelt ist ein mobiles Zuhause. Vielleicht wäre es trotz aller Funktion in diesem Produkt gut, diese Gefühlsebene stärker zu vermitteln – die Hersteller dem Handel, der Handel dem Kunden.

Zusammenfassung

  • Die Zeltstadt auf der diesjährigen OutDoor-Messe ist so groß wie nie: Rund 10.000 Quadratmeter stehen dem Produkt zur Verfügung
  • Der Trend zur Leichtigkeit bei Zelten hält unvermindert an. Die Hersteller konzentrieren sich trotz allem Zwang zum Weglassen verstärkt darauf, komfortable und stabile Zelte zu produzieren
  • Komfort im Zelt definieren die Hersteller unterschiedlich: Die einen verstehen darunter in erster Linie eine gute Belüftung, andere nennen ausreichend Stauraum als wichtigstes Ziel
  • Um dieses Produkt an den Endkunden zu bekommen, ist eine lange und intensive Beratung vonnöten. Ein Hersteller sieht im Zelt die Möglichkeit, das Vertrauen zum Endverbraucher zu stärken …
  • … außerdem könne sich ein Händler mit einer guten Zeltauswahl vom Konkurrenten um die Ecke abheben. Absolute Kompetenz sei Grundvoraussetzung für den Verkauf von Zelten
  • Das Zelt birgt sehr gute Möglichkeiten für den Sport- und Outdoorfachhändler, Emotionen zu verkaufen. Eine entsprechende Präsentation im Laden ist dafür erforderlich

Zelte 2011 – Innovationen und Neuheiten

Martin

Martin ist seit langem im RenenrXXL Team dabei und geht in seiner Freizeit am liebsten in die Berge oder fährt mit dem Rad.

Outdoor-Zelte 2011: Technik auf engstem Raum Zuletzt aktualisiert: 29.11.2017 von Martin
 

2 Responses to Outdoor-Zelte 2011: Technik auf engstem Raum

  1. minni sagt:

    guter Bericht, in der Tat, bei Zelten hat sich einiges getan die letzten Jahre, wenn ich mir da anschaue, was da an Gewicht alles möglich geworden ist…

     
  2. Karmen sagt:

    bekommt ihr eigentlich Quechua Zelte rein?

     

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