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4. Februar 2022 / Kommentare (0)

Nachwachsende Rohstoffe sind auf dem Vormarsch

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Nachhaltigkeit hat sich zum wichtigsten Thema in der Textilherstellung entwickelt. Nicht zuletzt die Zahl der Marken – für die Herbst/Wintersaison 2022/23 sind es mehr als 40 –, die kommunizieren wollen, wie sie ihre Produkte Jahr für Jahr nachhaltiger machen, zeigt dies auf. Und die Fortschritte können sich sehen lassen. Beispielsweise schaffen es bereits zahlreiche Lieferanten, ihre wasserdichten Bekleidungsteile ohne PFC herzustellen. Zum Einsatz kommen stattdessen Fasern, die von Natur aus wasserabweisend sind, und PFC-freie Imprägnierungen wie Bionic-Finish Eco von Rudolf oder Zelan R3 von Huntsman, aber auch eigene Entwicklungen der Brands.

Naturfasern sind auf dem Vormarsch

Nach wie vor ein Problem, für das es nur bedingt Lösungen gibt: Mikroplastik. Die kleinen Plastikelemente, die beispielsweise durch Waschen oder Abrieb entstehen, landen im Abwasser, in den Meeren und beispielweise über Fischfang auf unseren Tellern. Initiativen wie The Microfibre Consortium erforschen das Problem und arbeiten an Wegen, wie Mikroplastik vermieden werden kann. Ein sicherer Weg, den es jetzt bereits gibt, ist der Einsatz von natürlichen Rohstoffen. Merinowolle, Bio-Baumwolle, aber auch Tencel und Lyocell stehen bei den Sport- und Outdoor-Textilmarken hier an erster Stelle. Dabei wird zudem auf umweltfreundlichen und fairen Anbau der Baumwolle und auf zertifizierte Farmen geachtet, die Mulesing-freie Merinowolle garantieren.

„84 Prozent unserer Kollektion bestehen aus Naturfaser und fast alle Linien der Herbst/Winter-Kollektionen für 2022/23 sind aus reiner Merinowolle gefertigt“, erklärt dazu beispielsweise Herbert Horelt, Geschäftsführer von Devold. „Es gib viele gute Gründe für Naturfasern“, ergänzt dazu Verena Wutzler, Creative Marketing Manager bei Super Natural Europe. „Naturfasern sind gut für die Umwelt. Das liegt daran, dass die meisten natürlichen Stoffe nicht nur erneuerbar, sondern auch biologisch abbaubar sind. Aus diesem Grund arbeiten wir mit einem sehr hohen Anteil an Merinowolle in allen unseren Bekleidungsstücken. Merinoschafe können bis zu zweimal im Jahr geschoren werden und zur Herstellung der Wolle werden keine Düngemittel, Pestizide und keine fossilen Rohstoffe wie Erdöl benötigt.“

Plastik verschwindet aus Verpackungen

Nicht nur bei der Bekleidung selbst, sondern auch bei deren Verpackung achten zunehmend mehr Textillieferanten auf mehr Nachhaltigkeit. Generell geht es dabei meist um zwei Punkte: Verpackungsmaterialien so weit wie möglich an sich zu vermeiden und dort, wo sie unabdingbar sind, auf umweltfreundlichere Alternativen umzustellen.

„Wir verwenden je nach Art der Verpackung 100 Prozent recyceltes Plastik oder dieses in Mischung mit neuem oder auch biobasiertem Plastik“, erklärt dazu Stefan Mayrhofer, Salesdirector Germany/Austria bei Arena. „Wo es möglich war, wurde der Kunststoff auch durch FSC-zertifiziertes Papier ersetzt, das ebenfalls recycelt oder mit Frischfaserpapier gemischt werden kann.“ Auch andere Marken setzen hier auf Recycling. Beispielsweise ist Mammut, wie zahlreiche andere Marken aus dem Outdoor-Segment, Miglied beim Single Use Plastic Project der European Outdoor Group. Dessen Ziel ist es, ein geschlossenes Materialkreislauf-Modell für Polybags aufzubauen, die Anforderungen zu vereinheitlichen und damit die Menge an Polybags zu reduzieren.

 

Nachhaltigkeitssiegel und ihre Bedeutung

Better Cotton Initiative (BCI): Der Nachhaltigkeitsstandard nimmt Umwelt- und Arbeitsbedingungen im Baumwollanbau in den Fokus. Zertifiziert werden Farmen, nicht Endprodukte. Zu den Kriterien gehören dabei Wasserverbrauch, Bodenschutz, Produktqualität und Soziales.
Bluesign: Der Nachhaltigkeitsstandard zielt darauf ab, gefährliche Chemikalien entlang des gesamten Herstellungsprozesses zu vermeiden. Dabei werden die zuliefernden Chemieunternehmen und die Textilindustrie einbezogen.
Fair Wear Foundation (FWF): Das Siegel erhalten Textilunternehmen, die auf faire Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeiter achten. Dazu gehören beispielsweise das Verbot von Kinderarbeit, faire Entlohnung und auch Sicherheit am Arbeitsplatz.
Global Organic Textile Standard (GOTS): Im Fokus des Siegels liegt die Bekleidungsherstellung mit ökologisch erzeugten Rohstoffen. Textilien, die zu mindestens 70 Prozent aus ökologisch erzeugten Naturfasern bestehen und weitere Kriterien erfüllen, dürfen das GOTS-Label tragen.
Global Recycled Standard (GRS): Das Siegel kennzeichnet nachhaltiges und umweltschonendes Recycling. Überprüft wird dabei die Rückverfolgbarkeit der Materialien und die umweltfreundliche Produktion von Fasern. Die Zwischenstufen der Verarbeitung und das Endprodukt werden nicht kontrolliert.
Higg-Index: Der Higg-Index ist eine Reihe von Instrumenten zur Nachhaltigkeitsbewertung, welche die Auswirkungen der Textilproduktion in allen Schritten, von Produktionsanlagen bis zu Produkten und Marken, erfassen sollen.
BioRe Sustainable Cotton (BioRe): Mit dem Siegel wird fair gehandelte Baumwolle ausgezeichnet, die aus kontrolliert biologischem Anbau von Kleinbauern stammt.
Responsible Down Standard (RDS): Diese Norm konzentriert sich auf die Einhaltung nationaler Tierschutzbestimmungen und soll sicherstellen, dass Daunen nicht von landwirtschaftlichen Betrieben stammen, die die Tiere durch Stopfen mästen oder lebendig rupfen.
Re:down: Mit dem Siegel werden jene Produkte ausgezeichnet, die vom gleichnamigen Unternehmen recycelte Daunen enthalten.
Standard 100 by Oeko-Tex: Ist ein textiler Artikel mit dem Label ausgezeichnet, wurden alle Bestandteile dieses Artikels (Fäden, Knöpfe und sonstige Accessoires) auf Schadstoffe geprüft, sodass der Artikel somit gesundheitlich unbedenklich ist.
Step by Oeko-Tex: Die Zertifizierung ist speziell auf Produktionsbetriebe in der Textil- und Lederindustrie abgestimmt. Die Kriterien stellen dabei Mindestanforderungen zum Beispiel beim Chemikalieneinsatz, beim Umgang mit Abwässern und bei der Reduzierung des CO2-Fußabdrucks dar.

Naturfasern als Alternative

Die besten Alternativen zu chemischen Varianten bleiben Naturfasern, die unter anderem aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden oder von Tieren stammen. Der bayerische Wollspezialist Baur Vliesstoffe erweitert pünktlich für die Saison Herbst/Winter 2023/24 sein Sortiment um eine neuartige Wattierung aus 100 Prozent europäischer Schafschurwolle. „Lavalan Pure“ wird ausschließlich aus natürlichen Rohstoffen hergestellt und ist daher auch zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Durch seine Sortenreinheit kann das Produkt am Ende des Produktlebenszyklus sehr leicht recycelt und wieder in den „Lavalan“-Produktionsprozess eingearbeitet werden. Das schont Ressourcen und folgt dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Zudem ist das Vlies eine hochfunktionale und natürliche Alternative zu Synthetik und Daune.

An der Spitze der Naturfasern bleiben Bio-Baumwolle, Hanf, Kapokfasern bis hin zu Bambus. Das umweltbewusste Label Tentree setzt seit Langem auf natürliche Fasern. Denn: Bio-Baumwolle wird mit minimalem Einsatz von Chemikalien angebaut, um sichere Arbeitsbedingungen für die Bauern und ihre Familien zu gewährleisten. Hanf verbraucht weniger Wasser und Land als herkömmliche Baumwolle und liefert weitaus mehr Fasern.

Kapok: umweltschonend im Anbau

Kapok ist ein regeneratives Material. Die Bäume wachsen auf Flächen, die für die Landwirtschaft ungeeignet sind. Es ist außerdem zu 100 Prozent biologisch abbaubar und benötigt keine Düngung oder Bewässerung, dient aber gleichzeitig der Verbesserung der Böden. Verwendet werden Bestandteile der Pflanze, die bislang als Abfall galten. Neu ist eine Kombination mit Pflanzenfasern aus Bananen- oder Ananasblättern. Durch den Einsatz von Zink oder Ingwer bekommen die Fasern eine antistatische Wirkung, halten UV-Strahlen ab und wirken antibakteriell.

Zweites Leben durch Recycling

Nicht mehr ganz neu, aber dennoch auf dem Vormarsch ist das Thema Recycling. An der Spitze bleibt recyceltes Polyester – dank einer Innovation von Kingwhale inzwischen sogar mit reduziertem Ausstoß von Mikroplastik beim Waschen. Neu ist auch der Einsatz von Graphen als Textilfaser. Es wird aus Müll gewonnen, ist aber in der Herstellung bis dato noch extrem teuer. Sympatex zeigt mit „STX Banff Spring CO“ eine Neuheit, hergestellt im gleichen „Closing the loop“-Verfahren aus chemisch recycelten Stoffresten und anderen übrig gebliebenen Materialien.

Nachwachsende Rohstoffe sind auf dem Vormarsch Zuletzt aktualisiert: 04.02.2022 von

Last modified: 4. Februar 2022

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