Skitouren gehen im Ammergebirge
7. Dezember 2011 | Kategorie: AllgemeinFünftes und westlichstes Skitourengebiet des Oberlands ist das Ammergebirge, das wie die übrigen Skiregionen nach der Devise “Eini, auffi, aber nicht gleich wieder aussi” einen längeren Aufenthalt lohnt. Das Hörnle zählt zu den beliebtesten Tourenzielen. Dass der Schnee dort an kalten Wintertagen ganz besonders glitzert, soll an der Nähe von Staffel- und Riegsee liegen, deren cyanblaue Wasserflächen heraufleuchten wie übergroße Spiegel, sofern sie nicht zugeschneit sind.
Am Hörnle herrscht meist Harmonie unter den Erholungsuchenden, auch wenn es an Spitzentagen bis zu 3000 sind, davon nach Schätzungen etwa die Hälfte Skitourengeher! Die meisten kommen von Bad Kohlgrub entlang der Pisten. Liegt genug Schnee, lohnen Aufstieg und Abfahrt auch auf der Südseite. Im Januar 2010 reichte der Schnee über Wochen selbst für die Nordseite nicht, so dass die Schar der Tourengeher zum Zahn auswich, dem nächsten Tourenberg, der förmlich überflutet wurde. Im betroffenen Kolben-Skigebiet entstand in dieser Not der Plan, eine schneesichere Aufstiegsroute anzubieten und zu bewerben. Ein Jahr später war es so weit.
Die markierte Route verläuft am Rand beschneiter Pisten, sogar durch einen kurzen Tunnel; bis zur Kolbensattelhütte ist sie für jedermann machbar, weiter oben verlangt sie Erfahrung und sichere Verhältnisse. Skitourenberge weitab vom Pistenrummel gibt es im Graswangtal hinter Schloss Linderhof, etwa den berühmten Scheinberg, wo es besonders wichtig ist, die naturverträgliche Route einzuhalten.
Hinter ihm versteckt sich die Hochplatte, die Orientierungssinn und Ausdauer verlangt. Gegenüber lockt das skifreundliche, aber steile Kar der Kreuzspitze, bei lawinensicheren Verhältnissen ein schönes Ziel für bergerfahrene Skifahrer. Ganz im Westen des Oberlands, schon im Landkreis Ostallgäu, liegt neben Schloss Neuschwanstein der Tegelberg, dem man den Skiberg auf den ersten Blick nicht ansieht. Das Alpenvorland wirkt wie die kunter- bunte Spielzeuglandschaft einer riesigen Modelleisenbahn, mit blauen Seen und Märchenschlössern. Nach Süden begrenzt von der wild gezackten Mauer der Tannheimer Berge. Auch an diesem Berg ist es geglückt, eine Aufstiegsroute auszuweisen und so Konflikte durch Tourengeher im Skigebiet zu minimieren. Kati und Claudi kennen den Tegelberg nur aus
den Nachrichten über die hängengebliebene Gondel letzten Sommer. Für eine Skitour würden sie nie so weit fahren – eine Einstellung, die den Klimaschaden durch den sportlichen Kurztrip in Grenzen hält. Schon deshalb ist es wichtig, dass in allen Regionen des Bayerischen Oberlands Aufstiegsmöglichkeiten auch in den Pistenskigebieten erhalten bleiben. Wenn das Angebot für abendliche Touren, wie zur Drehmöser 9, gebündelt wird, freut das übrigens neben dem Wirt auch die Wildtiere, weil sie dann abseits des Tourentreibens ungestört sind. Die Berge haben schließlich für alle Platz.


[...] der Wendelstein auch das Skitourengeher-Herz erobert hat, ist dem früheren BR-Moderator Hermann Magerer zu verdanken. Als Mitte der 1990er [...]